Tag-Archiv für 'kinderpornographie'

Internetsperrgesetz von Bundespräsident Köhler unterschrieben

Vor einigen Tagen fragte ich noch, wie es mit dem Internetsperrgesetz weitergeht. Der vorerst nächste war nun die Unterschrift von Bundespräsident Horst Köhler, womit das Gesetz in Kraft tritt. Aber es soll ja laut Koalitionsvertrag nicht umgesetzt werden, was allerdings aus demokratischer Sicht bedenklich ist: Immerhin wurde das Gesetz gültig durch den Bundestag beschlossen. Daher muss das Gesetz schleunigst aufgehoben werden, die Opposition ist ja bereits mit entsprechenden Vorschlägen in die Offensive gegangen. Am Montag wird sich der Petitionsausschuss mit der Frage beschäftigen. Und wer glaubt, das alles sei kein Problem, immerhin habe die Koalition beschlossen das Gesetz nicht umzusetzen, dem lege ich nochmal den Artikel von Ralf Bendrath ans Herz.

Nachtrag: Nach der Unterzeichnung des Sperrgesetzes kündigte der AK Zensur eine Verfassungsbeschwerde an. Zudem fand eine Spontandemo statt, auf die sofortige Aufhebung des Gesetzes gefordert wurde.

Linke legt Aufhebungsgesetz für Internetsperren vor

Wie Netzpolitik berichtet, legt die Linke einen Gesetzentwurf vor, mit dem das Gesetz zu Internetsperren aufgehoben werden soll. Zur Erinnerung: Das Gesetz zu Einführung von Sperrlisten für Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten wurde kurz vor der Bundestagswahl beschlossen. Die neue Koalition mit Sperrgesetz-Gegner FDP hat beschlossen, das Gesetz nicht anzuwenden, sondern stattdessen verstärkt entsprechende Inhalte zu löschen. Bundespräsident Köhler hat die Unterschrift unter das Gesetz vorerst verweigert, womit es erstmal nicht in Kraft tritt. Aber es gibt noch keinen Beschluss, das Gesetz wieder abzuschaffen.

Mit der Linken hat nun die erste Oppositionspartei einen Gesetzentwurf zur Aufhebung des Gesetzes vorgelegt. Vermutlich werden SPD und Grüne folgen. Dies ist natürlich sehr erfreulich. Am 22. Februar wird die E-Petition gegen Internetsperren vor dem Petitionsausschuss behandelt. Wie es aussieht wird bereits parallel an der Aufhebung gearbeitet. Jetzt kommt es stark auf die FDP und die SPD an. Die SPD hat als Koalitionär noch für das Gesetz gestimmt. Werden die Abgeordneten wenige Monate später die Aufhebung dieses Gesetzes beschließen? Die FDP war gegen das Gesetz. Aber wird sie einem Vorschlag der Opposition zustimmen? Oder wird sie ihren Koalitionspartner zu einem eigenen Gesetzesentwurf überreden können?

Die nächsten Monate werden sehr spannend in Sachen Internetzensur und wir werden bald mehr über die Positionen der einzelnen Parteien. Ob sie alle aber offen agieren, bevor die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen vorüber ist, ist eine andere Frage.

E-Petition gegen Internetsperren vor dem Petitionsausschuss

Um mal hier die Nachrichten abzuarbeiten, die während der Feiertage aufgelaufen sind: Am 22. Februar will der Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages die E-Petition gegen Internetsperren beraten. Aufgrund der 134.015 Mitzeichner darf die Petentin Franziska Heine vor dem Ausschuss ihren Standpunkt darlegen.

Derzeit sieht es ja eher schlecht für das Gesetz für Netzsperren aus, aber immerhin ist es ein beschlossenes Gesetz, und bevor dieses nicht vom Parlament wieder abgeschafft wird bleibt die Gefahr einer Einführung bestehen.

Partei der Wendehälse

Die SPD hat gerade festgestellt, dass das Gesetz zu Netzsperren für Kinderpornographie schlecht ist und will es abschaffen. Das wirkt schon etwas bizarr, da diese Partei das Gesetz ja trotz Kritik vor einigen Wochen noch mitgetragen hat. Das war aber kurz vor den Wahlen, damals war die SPD noch an der Regierung beteiligt.

Jetzt wird aber auch noch bekannt, dass der SPD-Bundestagsfraktion schon am 9. Juni Informationen des BKA vorlagen, nach denen Server mit kinderpornographischen Inhalten überwiegend in den USA und in Ländern der EU stehen – inklusive Deutschland. Dennoch stimmte auch die SPD-Fraktion am 18. Juni für das Sperrgesetz, welches auch damit begründet wurde, dass man in einigen Ländern keine rechtliche Handhabe zur Entfernung von Kinderpornographie hätte.

Dies offenbart ein erschreckendes Verhältnis der SPD zu Macht und Demokratie. Dem Gesetz wurde in der Regierung zugestimmt, aber jetzt in der Opposition wird mit der gleichen Informationslage dagegen agiert. Aus den Reihen der SPD klingt das natürlich anders, sie wären schon immer für den Grundsatz Löschen statt Sperren gewesen.

Netzpolitik hat aufgrund dieser Wackelpudding-Politik eine Entscheidungshilfe für SPD-Abgeordnete veröffentlicht.

Hier im Osten nannte man Politiker, die vor der Wende in der SED waren und deren Politik vertraten und nach der Wende in eine andere Partei wechselten und plötzlich schon immer gegen das Regime gewesen sind Wendehälse. Ich bekomme jetzt das Gefühl, die SPD ist eine einzige Partei der Wendehälse. Die Handvoll Abgeordneten der SPD, die den Mumm hat gleich gegen die Netzsperren zu stimmen seinen hiermit ausdrücklich ausgenommen. Auch in der Kundus-Affäre wird wohlweislich vergessen, dass die SPD mit dem Außenministerium auch ein Amt besetzte, welches sehr wohl auch die Pflicht hatte sich über die Vorgänge zu informieren.

Nun gut, hoffen wir wenigstens, dass der Vorstoß zur Abschaffung des Gesetzes erfolgreich ist.

(via Netzpolitik)

Einige Kommentare zu Ereignissen

Da in den letzten Tagen einiges passiert ist will ich mal kurz meine Meinung dazu abgeben.

Jung tritt zurück

Franz Josef Jung tritt als Arbeitsminister zurück. Nicht weil er etwas als Arbeitsminister falsch gemacht hätte, sondern wegen dem Luftangriff in Afghanistan, der während seiner Zeit als Verteidigungsminister. Unabhängig von dieser Affäre finde ich aber den Rücktritt gut, denn Jung war die ganze Zeit über ein schwacher Minister, dem ich auch im Arbeitsministerium keine Großleistung zugetraut hätte. Sein Karrieremotor wurde durchaus durch die Tatsache befeuert, dass er der hessischen CDU des starken Ministerpräsidenten Koch entstammt. Hessens Vertretung im Bundeskabinett wird nun Kristina Köhler als neue Familienministerin. Sie hat nun die Chance einen besseren Eindruck als Jung zu hinterlassen.

Bundespräsident verschiebt Unterschrift unter Netzsperren-Gesetz

Bundespräsident Horst Köhler hat sich vorerst von der Bundesreierung ergänzende Informationen zu dem Gesetz aus der vorherigen Legislaturperiode erbeten. Ohne die Unterschrift kann das Gesetz vorerst nicht in Kraft treten. Dies hilft der schwarz-gelben Koalition aus einer Klemme. Im Koalitionsvertrag haben sie nämlich vereinbart, das Gesetz für ein Jahr nicht anzuwenden und stattdessen kinderpornographische Inhalte zu löschen. Jedoch war das Gesetz bereits beschlossen und dieses durch Anordnung einfach nicht umzusetzen ist demokratisch gesehen etwas bedenklich – immerhin würde sich die Exekutive damit über die Entscheidung der Legislative hinwegsetzen. Köhlers Verzögerungstaktik hilft der Koalition aus dieser Misere, denn vorerst braucht sie sich nicht über das Gesetz hinwegzusetzen.

Erinnert sich noch jemand an die Rhetorik aus dem Wahlkampf, als das Gesetz noch schnell vor Ende der Legislaturperiode durch den Bundestag gepeitscht werden musste? Die Eile war angesagt, weil jeden Tag ohne das Gesetz unschuldige Kinder gequält werden (woran das Gesetz im Endeffekt ja nichts geändert hätte). Nach der Wahl ist das plötzlich alles nicht mehr so eilig, Frau von der Leyen ist sehr still in der Sache. Nun wechselt sie ins Arbeitsministerium, ist also nicht mehr fachlich zuständig. Dennoch zeigt dies alles, dass das Netzsperrengesetz mehr Wahlkampf als echtes Engagement war.

Allerdings gibt es mit White IT jetzt ein Bündnis im Kampf gegen Kinderpornographie, welches offensichltich eher auf Löschungen von Kinderpornographie als auf Netzsperren zielt und welches auch versucht die Täter dingfest zu machen. Dies ist eine sehr löbliche Absicht, mal sehen was sich daraus entwickelt.

Wirtschaftsspionage durch SWIFT-Abkommen?

Heute wird ja wie bereits beschrieben über das Abkommen zur Weitergabe von SWIFT-Daten an die USA entschieden. Der Bundesrat bringt noch eine neue Note in die Diskussion und warnt vor möglicher Wirtschaftsspionage. Noch ein Grund mehr zu hoffen, dass es heute ein Veto gibt.

Update: Laut der Zeit wurde das Abkommen zur Weitergabe von SWIFT-Daten an die USA angenommen. Es soll auf 9 Monate begrenzt sein. Deutschland, Griechenland, Ungarn und Österreich sollen sich der Stimme enthalten haben.