Tag-Archiv für 'freies-wissen'

Wichtige Daten

Ich möchte mal auf einige Termine in der nahen Zukunft hinweisen, auf die sich der eine oder andere vielleicht vorbereiten möchte.

Zuerst findet am 31. März der Document Freedom Day statt. An diesem Tag wird auf die Wichtigkeit offener Dokumentformate hingewiesen.

Am 26. April findet der Welttag des geistigen Eigentums statt. Dieser wird oft von der Inhalteindustrie genutzt, um Schwarzkopien zu verdammen. Man könnte aber ebenso darauf hinweisen, wie vorteilhaft es ist, auf eine restriktive Nutzung seines geistigen Eigentums zu verzichten. Open Source Software, Open Content und Creative Commons sind hier die Stichworte. Auch kann man über den Begriff des geistigen Eigentums an sich diskutieren.

Am 4. Mai schließlich findet ein Protesttag gegen DRM statt.

Hat jemand Vorschläge für kreative Aktivitäten an diesen drei Terminen? Immer her damit.

Rückkehr der Kopisten?

Im Mittelalter wurden Bücher verbreitet, indem – üblicherweise in Klostern von Mönchen – diese Bücher in mühevoller Handarbeit abgeschrieben wurden. Dieser krisensichere Arbeitsplatz für Hochqualifizierte nennt sich Kopist. Mit dem Aufkommen des Buchdrucks wurden die Kopisten überflüssig.

Wissen steht dank dem Buchdruck und neuerdings modernen Kommunikationsmitteln wie dem Internet in großer Menge, schnell und ohne große Barrieren zur Verfügung. Aber die Verlage – deren gesellschaftliche Aufgabe es ja auch ist, Wissen den Menschen zugänglich zu machen – haben Angst um ihre Gewinne. Daher werden zunehmend Einschränkungen üblich.

So an der Technischen Universität Darmstadt. Dort dürfen die Studenten in der Universitätsbibliothek auf digitalisierte Bücher zugreifen. Allerdings ist dieser Zugriff auf spezielle Terminals der Bibliothek beschränkt. Es durften davon auch nur einzelne Seiten gedruckt werden. Ganz im Gegensatz zu den gedruckten Büchern, die oft in größeren Teilen abkopiert werden, wenn Studenten den Inhalt für ihr Studium benötigen.

Aber selbst dieser eingeschränkte Zugriff auf ihre Werke war einem Verlag zuviel. Er klagte und bekam vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main Recht. Nun dürfen keine Ausdrucke der digitalen Werke mehr erstellt werden. Sollen die Studenten also in Zukunft von den Terminals abschreiben? Dies ist sicherlich der allgemeinen Studiendauer sehr förderlich.

Dies ist natürlich ein immenser Rückschritt für die Akkumulation von Wissen. Umso mehr wird es erforderlich Open-Access-Publikationen zu fördern. Hierbei geht es darum, dass wissenschaftliche Arbeiten auch kostenlos zugänglich gemacht werden sollen. Werke unter Open-Access könnten damit in Zukunft eine Alternative für die durch solche Restriktionen immer unzugänglicheren Schriften darstellen.

Letztens habe ich auf eine E-Petition zur Förderung von Open-Access hingewiesen. Aus dem aktuellen Anlass erneuere ich daher meinen Aufruf diese mitzuzeichnen. Die Petition steht bei derzeit 18.000 Mitzeichnern und läuft noch bis zum 22. Dezember.

(via Gulli, Golem und Heise)

Kurznachrichten zur Wikipedia

Zwei Blogbeiträge zur Wikipedia will ich noch hervorheben. Metronaut will ein „Bündnis für eine offene Enzyklopädie“ schaffen, mit dem entweder die Wikipedia reformiert oder ein neues Projekt geschaffen wird. Im Blogbeitrag Communitygift wird sehr treffend analysiert was in der Wikipedia schiefläuft und es werden einige Vorschläge zur Besserung gemacht.

Nachtrag: Wie Fefe berichtet wird der Spendenticker gerade zur Meinungsäußerung genutzt. Nette Aktion, aber bitte macht keine falschen Kontoangaben. Den einen Euro sollte Euch Eure Meinungsäußerung schon wert sein.

Mehr zur Open-Access-Petition

Ich habe ja von der E-Petition für Open-Access berichtet. Diese hat recht guten Zuspruch, bis jetzt wurde sie von mehr als 7500 Bürgern mitgezeichnet. Weitere Mitzeichner sind natürlich erwünscht.

Wie Golem berichtet wird die Petition durch das Aktionsbündnis ,,Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ unterstützt.

Wikipedia: Und sie bewegt sich doch!

Nachdem ich mit so schlechtem Gefühl über den Reformwillen der Wikipedianer aus der Podiumsdiskussion über die Zukunft der Wikipedia passiert nun doch etwas. Auf der Diskussionsseite Zukunft der Wikipedia II ist tatsächlich eine konstruktive Debatte entstanden.

Beispielsweise gab es den guten Vorschlag, dass Sichter (angemeldete Benutzer mit einigen Edits) auch gelöschte Artikel sehen können sollen. Auch die Relevanzkriterien werden diskutiert. Und die Frage, wie man Nutzer der Wikipedia an einigen Entscheidungen mehr beteiligen könnte. Schaut selbst hinein und macht weitere konstruktive Vorschläge.

Vielleicht besteht also doch noch tatsächlich Hoffnung auf eine Reform der Wikipedia aus sich selbst heraus.

E-Petition für Open Access

Derzeit läuft eine elektronische Petition für den Bundestag, die fordert Ergebnisse öffentlich geförderter Forschung auch in öffentlich kostenlos zugänglichen Medien zu veröffentlichen. Der Fachbegriff für diese Veröffentlichungsart ist Open Access. (via Netzpolitik)

Dies ist aus mehreren Gründen nützlich. Zum einen ist es schwer verständlich, wieso die Ergebnisse von Fördergeldern auch noch kommerziell genutzt werden sollten. Bei privat finanzierter Forschung mag die Veröffentlichungsart dem Forscher und dem Förderer offenstehen, wenn Steuergelder in die Forschung investiert wurden sollte jedoch auch die Öffentlichkeit daran teilhaben.

Zudem profitiert die Forschung selbst wieder davon. Diese beginnt nämlich heutzutage nicht im luftleeren Raum, sondern baut auf vorhergehenden Ergebnissen auf. Da zudem Universitäten und Forschungseinrichtungen unter Mittelknappheit Kürzungen vornehmen sind die teuren Journals so manches Mal nicht in der eigenen Bibliothek verfügbar. Der Fortschritt wird damit gehemmt.

Auch eine Prüfung des Ergebnisses wird erschwert. Normalerweise findet eine kritische wissenschaftliche Prüfung dadurch statt, indem andere Wissenschaftler desselben Fachgebiets die Ergebnisse zu reproduzieren suchen oder die Methodik analysieren. Hat jedoch nur ein Teil der Wissenschaftsgemeinde Zugriff auf die Arbeiten, dann wird auch diese Prüfung verzögert.

Wenn in der Wikipedia ein Sack Reis umfällt

In den letzten Tagen habe ich viel über die Wikipedia-Relevanz-Diskussion berichtet. So mancher mag sich fragen, wieso so viel Wikipedia. Wikipedia betrifft mich gar nicht. Und was hat Wikipedia überhaupt in einem politischen Blog zu suchen.

Das Wikipedia reale Politik ist, habe ich ja bereits erwähnt. Wikipedia gibt Zugang zu freiem Wissen. Jedermann. Schon allein dies beeinflusst politisches Denken. Wikipedia ist damit eingebunden in einen Gesamtprozess, der in den letzten Jahrzehnten politisches Wissen an die Masse herangetragen hat. Damit funktioniert das Konzept, dass man als Einzelperson eine Partei mit der politischen Entscheidung beauftragt immer schlechter, da viele Menschen jetzt zu einzelnen Dingen immer dediziertere Meinungen haben. Einfach weil sie heutzutage ebenso gut wie ein Politiker Informationen recherchieren können und damit selbst eine Entscheidung treffen können. Wikipedia (nicht nur diese allein, aber sie spielt ihre Rolle) hat also zunehmend die Voraussetzungen für mehr direkte Demokratie geschaffen. Die Politik hängt da noch hinterher und verweigert uns direkte Demokratie auf Bundesebene und behindert in vielen Bundesländern direkte Demokratie.

Wikipedia hat auch viel direkteren Einfluss. Der Inhalt von Artikeln wie Atomkraft beeinflusst die Meinung Tausender Menschen über den Atomausstieg. Wikipedia hat damit auch eine immense politische Verantwortung. Wikipedia ist ein neuer und weiterer Gatekeeper für Informationen und diese haben Bedeutung für politische Entscheidungsprozesse.

Wikipedia wird auch immer häufiger in der Justiz genutzt, um Urteile zu fällen. Auch dies erhöht weiter die politische Verantwortung der Wikipedia. Viele Journalisten beginnen ihre Recherche zu einem Thema in der Wikipedia (und manche schlechte hören dort auch auf). So ist das was wir in Zeitungen lesen so manches mal von der Wikipedia beeinflusst, ohne dass wir es wissen.

Da Wikipedia Wissen unter einer freien Lizenz sammelt können Inhalte auch direkt übernommen werden. Interessant fand ich in dem Zusammenhang, dass die Potsdamer Straßenbahnen in ihren kleinen Bildschirmen für Werbung und Informationen neben anderen Inhalten auch Dinge aus der Wikipedia einbinden. Mit dem Kindle greift man direkt auf die Wikipedia zu, von Openmoko gibt es einen Wikipedia-Reader, ein Gerät nur für den Abruf von Wikipedia-Inhalten. Und all diese Beispiele werden noch nicht den Endpunkt dessen darstellen, wie Wikipedia unsere Informationswelt durchdringt. In Zukunft wird sich die Wikipedia in noch viel mehr Bereichen durchsetzen.

Und nun betrachte man nochmal unter diesem Gesichtspunkt, dass in der Wikipedia immer weniger Menschen (ja viele alte Autoren sind längst inaktiv) Inhalte bearbeiten. Man beachte dass die Hürden für neue Autoren ins Unermessliche gewachsen sind. Und man beachte, dass man in der Wikipedia anscheinend kein Problem darin sieht.

Ich denke schon, dass die Diskussion einen Platz in einem politischen Blog verdient.

Wikipedia: Krise? Welche Krise?

Ich war gestern auf der Diskusionsveranstaltung zur Relevanz in der Wikipedia. Inzwischen gibt es bereits diverse Berichte von der Veranstaltung und Meinungen über deren Ergebnisse: von Fefe der die Veranstaltung via Stream verfolgte, von Simon Columbus auf Gulli der den Text nicht weit von mir in seinen Laptop hämmerte, von Jürgen Fenn auf Schneeschmelze und von Textberater.

Anhand dieser Berichte kann ich schon mal sagen: Es hat sich auf jeden Fall gelohnt persönlich zu kommen, denn der Stream war wohl grottig. Selbst im zweiten Raum (die Verhältnisse waren beengt, daher waren die Besucher in zwei Räume verteilt worden) hat man wohl nicht alles mitbekommen, immer wieder erschallte von dort der Ruf, lauter ins Mikrofon zu sprechen. Ich war recht frühzeitig da, weshalb ich noch Platz im ersten Raum fand.

Das Podium war besetzt mit Leon Weber (langjähriger Admin der Wikipedia, zuletzt wohl etwas inaktiv), Johnny Haeusler (Autor von Spreeblick), Martin Zeise (Autor und Administrator in der Wikipedia) und Pavel Mayer (Blogautor). Durch die Veranstaltung führte Pavel Richter, Geschäftsführer der Wikimedia Deutschland. Auch das Publikum war besetzt mit einigen Netz- und Wikipediagrößen. So waren die bekannten Wikipedianer Kurt Jannson und Henriette Fiebig dort. Martin Haase und Frank Rieger vom CCC waren gekommen, ebenso der Journalist Burkhard Schröder, Anne Roth (Annalist) und Christian Bahls vom Verein Mogis (um den Wikipedia-Eintrag zu diesem Verein ist die Diskussion entbrannt).

Zuerst wurden den Podiumsmitgliedern vom Moderator ausgewählte Fragen zugeworfen, die ihre Person ein wenig einführen sollten. Das fand ich persönlich etwas unnötig, selbst wenn man die konkrete Person nicht kannte, so charakterisiert sie sich im Laufe einer solchen Veranstaltung doch am Besten durch ihre Haltung und ihre Aussagen. Dann wurde auch mit Beteiligung des Publikums das Problem beleuchtet und schließlich wurden Vorschläge zur Verbesserung gesammelt. Leider gab die Art der Veranstaltung keine echte Diskussion her. Da man auf eine Wortmeldung erst dann das Mikrofon erhielt, wenn die vorherigen Meldungen abgearbeitet waren, war es praktisch unmöglich auf Beiträge anderer zu reagieren. So entstand ganz selten eine echte Diskussion, diese meist geführt durch Zwischenrufe.

Ich erwähne mal kurz einige – aus meiner Sicht – bedeutende EinzelbeiträgeLeon Weber wollte allgemein die Relevanzkriterien anpassen, ohne sie ganz abzuschaffen. Pavel Meyer möchte die Leser stärker in Entscheidungsstrukturen einbinden, statt wie bisher die Entscheidungen den Wikipedianern zu überlassen. Johnny Häusler vermisste eine Art Transparenz/Identität bei den Admins. Auch fehlte ihm eine einfache Ansprechmöglichkeit. Natürlich ist beides vorhanden, nur nicht so einfach erkennbar für nicht Eingeweihte. Kurt Jannson meinte die Relevanzkriterien seien nötig, um die Artikelzahl nicht so ausufern zu lassen, dass eine Pflege des Artikelkorpus unmöglich würde. Burkhard Schröder meint der Durchschnitt würde sich auf die Dauer durchsetzen und möchte eine Möglichkeit schaffen, dass (externe) Experten Artikel zu ihren Themen beobachten können. Annalist verglich die Situation der deutschen Wikipedia mit dem Niedergang der deutschen Indymedia. Die Probleme sind ihrer Meinung nach ähnlich. Martin Haase, Frank Rieger und ich wiederholten im Wesentlichen, was wir bereits in unseren jeweiligen Blogs geschrieben hatten.

Die Vielfalt der Meinungen war groß, es zeigte sich auch, dass die Gegner strenger Relevanzkriterien keine homogene Meinung vertreten. Vielmehr ist dort eine Vielzahl von Meinungen vertreten, die sich nur in dem Punkt einig sind, dass es so wie bisher nicht weiterlaufen kann in der Wikipedia. Einige Punkte wurden jedoch immer wieder in der einen oder anderen Form angesprochen, da scheint es gemeinsame Problemwahrnehmung zu geben.

So beklagten nicht wenige die generelle Nerd-Lastigkeit der Wikipedia. Burkhard Schröder sprach vom gesunden Nerdempfinden, das sich im Endeffekt im Artikelinhalt durchsetzt. Johnny Haeusler sprach über das abschreckende Interface und erwähnte, dass der Artikel über Star Wars länger sei als der über Gott. Das ist nicht von der Hand zu weisen: Man sah viele Laptops und langhaarige junge Männer. Die beiden einzigen (!) Wortmeldungen von Frauen beklagten auch beide die Stellung von Frauen in der Wikipedia. Auch dies kann man zur generellen Nerdigkeit zurechnen. Und es wurde erschreckend klar, dass sie Recht haben. Nicht nur gab es kaum Wortmeldungen von Frauen, es waren nahezu keine Frauen anwesend. Anscheinend wirkt die Wikipedia generell abschreckend auf Frauen.

Aus der schweren Nerdlastigkeit resultiert wohl das zweite häufig angesprochene Problem (oder verursacht dieses Problem die Nerdlastigkeit?): Die Benutzerschnittstelle ist nicht zeitgemäß und für weniger computeraffine Menschen kaum benutzbar. Angesprochen wurden Bearbeitungskonflikte bei stark editierten Diskussionen oder Artikeln, die händische Einrückung, Zitierformatierung und Signierung von Diskussionsbeiträgen, die vielen Formatierungen in Artikeln, die eine Bearbeitung abschreckend machen. Dass Johnny Hauesler weder eine Möglichkeit zur Hilfe fand, noch ein Profil der Arbeit von Wikipedia-Administratoren ist ebenfalls als eine Schwäche des Interface anzusehen. Daher gab es auch eine Reihe von Vorschlägen, wie die Webseite technisch überarbeitet werden soll. Angesichts dessen, wie lange ich beispielsweise auf Features wie gesichtete Versionen warten musste, bin ich aber skeptisch, was die schnelle Durchsetzbarkeit von Softwareänderungen angeht. Das was hier am Besten funktionieren könnte ist eine externe Neuentwicklung der Software, die dann an die Wikipedia gespendet wird. Wer möchte ein solches Projekt starten?

Generell wurden oft zu hohe Einstiegshürden beklagt. Und da schließt sich der Kreis zur Relevanzdiskussion, denn auch die schnell in einem Artikel landenden Löschanträge stellen eine Einstiegshürde für Neuautoren dar. Wenn die eigene Arbeit nach kurzer und oft rabiat geführter Löschdiskussion im Orkus wiederfindet, dann hat die Wikipedia diesen Autor wahrscheinlich zum letzten Mal gesehen. Da benötigt man schon ein dickes Fell, um das wegzustecken. Hier könnte die Idee weiterhelfen, dass man in Entscheidungen stärker die Leser statt der alteingesessenen Editoren der Wikipedia einbindet. Unter diesen findet man nämlich die potenziellen Autoren, die aber durch die bestehenden Hürden von der Mitarbeit abgehalten werden.

Und wird nun etwas passieren? Da lässt mich die gestrige Veranstaltung äußerst skeptisch zurück. Die wenigen anwesenden aktiven Wikipedianer ließen allesamt ein mangelndes Problembewußtsein durchscheinend. Erschreckend auf den Punkt gebracht wurde dies durch Kurt Jannsons Kommentar: ‚Crisis?`What crisis?‘, den ich auch als Artikeltitel gewählt habe. Damit stand er nicht allein unter den Wikipedianern. Es wird anscheindend mehr als eine kurze Aufregung in der Blogosphäre gesehen, die ja im Endeffekt selbst irrelevant sei. Als Beweis führte Jannson die fehlende kritische Berichterstattung in den klassischen Medien an. Burkhard Schröder korrigierte diese Sicht ein wenig, er meinte es gebe nur deshalb keine kritische Berichterstattung in der Presse, weil die Krise kritischen Journalismus noch größer sei, als die Krise der Wikipedia. Wenn ich sehe, dass bei Schäubles Ernennung zum Finanzminister nur ein ausländischer Journalist auf dessen Verwicklung in den CDU-Spendenskandal hinweist, dann bin ich geneigt Schröder zuzustimmen.

Mein Fazit der gestrigen Veranstaltung wäre, dass einige Probleme benannt wurden auch wenn ich noch keine zielführenden Lösungsansätze sehe. Leider besteht in der Wikipedia kein Reformwille, weshalb eine Reform wohl durch externe Projekte an die Wikipedia herangetragen werden muss. Und dies ist bitter nötig, denn auch wenn ich die Wikipedia nicht kaputt gehen sehe, so sehe ich doch einen starken Dämpfer für die Vision freien Wissens, wenn hier nichts passiert.

Nachtrag: Ganz vergessen. Fefe berichtet in seinem Blogeintrag darüber, dass Markus Kompa von Heise kurz vor der Veranstaltung Hausverbot durch die Wikimedia erhalten hat. Ich kenne die Hintergründe nicht, dennoch wirkt dies etwas unsouverän.

Update: Auch aus dem Wikimedia-Blog nun ein Fazit.

Update 2: Simon Columbus hat einen zweiten Artikel auf Netzpolitik veröffentlicht.

Update 3: Johnny Haeusler hat auch seine Eindrücke niedergeschrieben.

Update 4: Jetzt reichts dann aber mit Nachschlägen zur gestrigen Diskussion. Mit großen Tönen wird die Wikipedia zum Sterben aufgerufen – abseits der martialischen Rhethorik ist der Beitrag durchaus lesenswert. Annalist erklärt ihren Vergleich mit Indymedia näher. Und im Freitag gibt es auch nochmal eine Auswertung.

Die Zukunft der Wikipedia

In den letzten Wochen gab es eine heiße Diskussion um die Löschung als irrelevant angesehener Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia. Wer diese Diskussion tatsächlich verpasst haben sollte, der kann sich beim Spiegel, bei der Netzeitung oder bei der Zeit auf den neuesten Stand bringen.

Die Blogosphäre brodelt geradezu im Streit, ob die Relevanzkriterien überlebenswichtig ([1], [2]) oder schädlich ([1], [2], [3], [4]) für die Wikipedia sind.

Ich habe mich bisher an der Diskussion nicht beteiligt. Zum einen wollte ich nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen, da durchaus in der Öffentlichkeit Schaden für die Wikipedia entsteht. Zum anderen bin ich ob dieser Diskussion müde. Ich bin seit 2003 Autor in der Wikipedia und auch zum Admin gewählt worden. Aus diversen Gründen bin ich seit einiger Zeit inaktiv. Aber die Relevanz-Diskussion kenne ich – von Anfang an, bereits 2003 war ich an solchen Diskussionen beteiligt. Herausgekommen ist niemals etwas.

Nun deutet sich jedoch an, dass sich etwas bewegt. Die Wikimedia Deutschland e.V. lädt zu einer Podiumsdiskussion am 5. November in Berlin ein. Ich habe mich für das Publikum angemeldet und tatsächlich eine Einladung erhalten. Mit etwas Glück kann hier etwas für die Zukunft der Wikipedia bewegt werden.

Um schon einmal vorzugreifen stelle ich hier eine Kompromissidee vor, die ich morgen – so ich das Mikrofon mal in die Hände bekomme – vortragen werde.

Die Wikipedia könnte gezielt Kooperationen mit externen lexikalischen Wiki-Projekten schließen, deren Fokus andere Bereiche abdeckt als die Wikipedia. Beispiele sind das Filmwiki, das Bücherwiki oder das Rezeptewiki. Wird nun in der Wikipedia ein Artikel eingestellt, der an den Relevanzkriterien scheitert aber in den Fokus eines dieser externen Projekte passt, dann könnte der Inhalt exportiert und im externen Wiki eingestellt werden. In der Wikipedia wird unter dem Lemma eine Platzhaltervorlage eingefügt, die auf den Artikel im externen Wiki verweist.

Natürlich gibt es da einige Probleme, man müsste mit den Betreibern des jeweiligen externen Wikis zuvor Fragen des Urheberrechts und der Technik klären (wie realisiert man Export und Import). Zumindest zwischen Mediawikis sollte aber das technische kein Problem darstellen. Auch organisatorisch sollte das abgesprochen sein, so dass die Textübernahmen aus der Wikipedia sofort betreut werden können. Aber für die Lösung ist keine Softwareänderung erforderlich, alles kann mit Organisation und Absprachen realisiert werden.

Die Vorteile sind vielfältig. Zum einen wird der Autor des neuen Artikels nicht gleich durch eine Löschung innerhalb der ersten Minuten verschreckt, vielmehr sieht er zwar, dass sein Artikel nicht in die Wikipedia übernommen wird, aber dennoch erhalten bleibt und weiter gepflegt wird. Weiterhin könnte sich so manche Löschdiskussion entspannen, da es nicht mehr um Sein oder Nichtsein geht, sondern um Wikipedia oder externes Wiki. Wissensdurstige werden von der Wikipedia weniger häufig enttäuscht, wenn sie auf der Suche nach ihnen unbekannten Wörtern in Zukunft statt keines Artikels einen passenden Verweis finden. Dies bedeutet zwar einen Klick mehr, aber die Suche war nicht zwecklos.

Was haltet ihr von dieser Idee? Nutzlos, brilliant oder verbesserungswürdig?