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Vor 50 Jahren war der erste Mensch im Weltraum

Юрий Алексеевич Гагарин (Juri Alexejewitsch Gagarin)
Юрий Алексеевич Гагарин (Juri Alexejewitsch Gagarin), Bild von commons.wikimedia.org

Als Nerd kann ich kaum umhin den heutigen Tag zu würdigen: Heute vor 50 Jahren reiste Юрий Алексеевич Гагарин (Juri Alexejewitsch Gagarin) als erster Mensch in den Weltraum und umkreiste in der Восток-1 (Wostok 1, übersetzt Osten) die Erde. Das ist in meinen Augen ein bedeutender Schritt in der Entwicklung der Menschheit gewesen. Wir haben es als Menschen geschafft unseren Heimatplaneten zu verlassen.

Es gab weitere Entwicklungen in der Raumfahrt. 1969 landeten die ersten Menschen auf dem Mond. Es wurden nacheinander mehrere dauerhaft bemannte Raumstationen gebaut, aktuell ist es die Internationale Raumstation (ISS). Derzeit können drei Nationen (Russland, USA, China) bemannte Raumflüge durchführen. Hinzu kommen erste privatwirtschaftliche Versuche, mit dem SpaceShipOne konnten bereits erste bemannte suborbitale Flüge ohne staatliche Unterstützung geflogen werden. In den letzten Jahrzehnten haben Hunderte Menschen den Weltraum besucht.

Der Pionier Gagarin verunglückte am 27.März 1968 beim Übungsflug mit einer MiG tödlich. Halten wir seine Erinnerung hoch, indem wir den heutigen Tag in Anbetracht seiner Pioniertat würdigen. Ich wünsche einen guten Gagarin-Tag!

Verstrahlter Wissenschafts-Artikel bei der Welt online

Bei Welt online wurde ein Artikel zur Transmutation veröffentlicht. Bevor ihr hier meine Entgegnung darauf lest solltet ihr diesen Artikel durchlesen.

Gelesen? Nun, dann fiel euch sicherlich die bestechende Logik in diesem Artikel auf. Überschrieben wurde der Artikel mit dem Versprechen, dass in 20 Jahren der Atommüll unschädlich gemacht wird. Im Artikel lesen wir dann, dass in 20 Jahren eine Technik möglicherweise einsatzbereit sein könnte, mit der man die Strahlungsaktivität des Mülls auf 500 Jahre reduziert.

500 Jahre erfordern aber immer noch eine Endlagerung für viele Generationen. Vor 500 Jahren war Deutschland noch das Heilige Römische Reich. Hätten wir aus dieser Zeit gefährlichen Müll geerbt, dann würden wir das zu Recht wohl als unverantwortlich bezeichnen.

Diese bestechende Logik lässt einen zweifeln, ob Sarrazin mit seiner Verdummungsthese nicht doch recht hat, und die Welt-Redaktion Deutschland in der Beziehung nur ein paar Schritte voraus ist. Tatsächlich macht es aber mehr Sinn, wenn man bedenkt dass die Springer-Presse eher im Sinne der Atomlobby schreibt, also auch bereit ist Probleme der Atomenergie (und damit den Atommüll) künstlich kleinzureden.

Betrachten wir einige Aussagen genauer. Die Überschrift verspricht ‚Atommüll wird in 20 Jahren nicht mehr strahlen‘ und im Anreißer heißt es ‚Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sie Atommüll unschädlich machen wollen‘. Beide Aussagen werden durch den Artikel nicht im geringsten getragen, sind eigentlich schon eine Lüge oder schlimme Irreführung. Weiterhin heißt es im Anreißer ‚Damit rauben sie Kernkraft-Gegnern viele Argumente‘. Um genau zu sein, wird die Problematik des Atommülls verringert, die ‚Laufzeit‘ der Argumente der Atomkraftgegner wird damit auf 500 Jahre reduziert. Lange genug. ‚Was wäre die Anti-Atom-Bewegung ohne Castortransport?‘ wird am Ende des Artikels gefragt. Natürlich würden Endlagerung und damit auch Castor-Transporte weiterhin notwendig bleiben.

Insgesamt kein Artikel mit dem sich die Welt-Redaktion mit Ruhm bekleckert hat.

Natürlich will ich hier nicht die Arbeit der Forschungsgruppe Nuclear Safety Research am KIT schmälern. Falls die Technologie der Aufbereitung von Atommüll zum breiten Einsatz gebracht werden kann, können wir damit unsere bereits bestehenden Altlasten behandeln. Natürlich ist auch für einen Zeitraum von 500 Jahren eine Endlagerung notwendig. Aber für diesen Zeitraum kann man wahrscheinlich eher die geologische Sicherheit eines Endlagerstandorts prognostizieren als für Tausende oder gar Millionen Jahre. Insofern ist diese Forschung wichtig und notwendig. Eine komplette Lösung des Problems ist sie jedoch nicht.

Wem 500 Jahre Endlagerung immer noch zuviel sind: Am 18. September kann man gegen Atomkraft in Berlin auf die Straße gehen.

Zukunft im Weltraum?

Der bekannte Physiker Stephen Hawking hat in einem Interview (in Englisch) vorgeschlagen, die Menschen sollten sich im Weltraum ausbreiten, um die Gefahr der Vernichtung der Menschheit zu minimieren. Dieser Vorschlag mag natürlich weltfremd und fern jeglicher erlebter Realität vorkommen – und ist es irgendwie auch. Tatsächlich plagen uns weitaus naheliegendere Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Armut, Klimawandel oder ähnliches.

Dennoch sollte man diese Idee nicht einfach so vom Tisch wischen. Realistisch betrachtet ist die Besiedlung des Weltraums kein Projekt für die nächsten 10 Jahre. Wenden wir uns aber zu stark von der Raumfahrt ab, dann stagniert die Technologie – und auch in 10 Jahren sind wir von der Besiedlung des Weltraums genauso weit entfernt wie heute. Und auch dann wird es naheliegendere Probleme geben, um der Raumfahrt niedrige Priorität zu geben. Die Gefahr liegt darin, dass der Fortschritt in der Raumfahrttechnologie so lange hinten angestellt wird, bis wir uns einem realen Problem gegenübersehen, welches die Erde bedroht. Wir sollten Hawkings Aussagen daher als Ansporn verstehen, trotz aller tagesaktuellen Probleme auch in Zukunft die Raumfahrt zu fördern.

Und ich denke das ist sinnvoll. Durch schrittweise Fortentwicklung der Technologie könnten wir irgendwann den Punkt erreichen, wo eine Besiedlung des Weltraums kein unrealistischer Traum mehr ist. Tatsächlich ist die Zeit günstig. In den letzten Jahren wieder mehr Bewegung in der Raumfahrt. Und nicht nur die Staaten beschäftigen sich damit, inzwischen ist dies auch ein Thema für private Initiativen. Durch den Ansari X-Prize wurde die private Raumfahrttechnologie erheblich vorangebracht. Derzeit läuft mit dem Lunar X-Prize der nächste Wettbewerb, der hier Fortschritte erbringen soll. All dies stimmt positiv für die Entwicklung der Raumfahrt. Nehmen wir also Hawkings Vorschlag als Ansporn, diese Bemühungen fortzuführen. Ich denke auch die Politik (auch die europäische) sollte sich in dem Bereich stärker engagieren.

Einige könnten meinen, dass die langfristige Vision den Weltraum zu besiedeln zu schlechterem Umgang mit unserem Planeten führen könnte – nach dem Motto: ist die Erde kaputt, siedeln wir um zur nächsten Welt. Ich glaube diese Gefahr besteht kaum. Immerhin kippen wir auch keinen Giftmüll in unser Grundwasser (zumindest versuchen wir es zu vermeiden), nur weil wir alle ja nach Kanada umsiedeln könnten.

(via Golem)