Was soll nach dem Moratorium für Kernkraftwerke kommen? (Update)

Wie die meisten wissen sollten, gibt es derzeit eine Aussetzung der Verlängerung für die Laufzeit deutscher Kernkraftwerke (dieser Name deutet die mehrfachen politischen Richtungswechsel an, kurz heißt das auch Atom-Moratorium). Diese Maßnahme umfasst eine dreimonatige Stilllegung von sieben älteren Atomreaktoren (wer sich an der Wortwahl Atomreaktor stört, am Ende des Artikels kommt eine eine kurze Diskussion zu Atom vs. Kern) und die Sicherheitsüberprüfung aller deutschen Kernkraftwerke. Im Rahmen des Moratoriums wurde auch eine Ethikkommission eingesetzt, die die Regierung beim weiteren Vorgehen beraten soll.

Was hat dies nun im Endeffekt für Folgen. Wie sollten wir nach Ablauf der Sicherheitsüberprüfung und der dreimonatigen Abschaltung (endet Mitte Juni) älterer Meiler weiter verfahren?

Warum haben wir das Moratorium?

Zuerst möchte ich mich einmal der Frage widmen, warum wir überhaupt das Moratorium haben. Die schwarz-gelbe Regierung, welche das Atommoratorium beschlossen hat, hat gerade ein Jahr zuvor im Frühling 2010 eine Novellierung des Atomgesetzes zur Verlängerung der Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke durchgesetzt. Auch die betroffenen Länder waren zu dem Zeitpunkt alle schwarz-gelb regiert. Wieso also der Sinneswandel?

Das Moratorium ist eine Reaktion auf die Probleme im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi. Was hat dieser Unfall geändert? Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte dazu: „Wir haben eine neue Lage und es muss gehandelt werden.“ Also hat die neue Lage durch Fukushima diesen Kurswechsel herbeigeführt?

Welche neue Lage eigentlich? Wir kannten die Folgen eines schweren Atomunfalls, nicht nur aus tatsächlichen Vorfällen wie in Majak, Windscale und Tschernobyl, sowie durch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki. Auch theoretische Überlegungen sagten uns Folgen voraus, wie wir sie in Fukushima sehen. Teilweise hätte man sich sogar schwerwiegendere Szenarien vorstellen können. Wir wussten auch bereits vor dem Unglück in Japan, dass es zu katastrophalen Vorfällen in Kernreaktoren kommen kann. Dies ist jenes berühmte „Restrisiko“ (übrigens ein Euphemismus, da ein Restrisiko auch ein Risiko ist). Dieses Risiko hat sich nicht gewandelt, höchstens ist es besser kalkulierbar. Aber selbst das trifft auf Deutschland nicht zu, da Erdbeben und Tsunamis deutlich unwahrscheinlicher sind, als in Japan. Objektiv betrachtet hat sich die Lage also tatsächlich nicht geändert. Subjektiv jedoch ist ein unwahrscheinlicher aber schwerwiegender Vorfall besser vorstellbar, wenn er tatsächlich eintritt. Subjektiv ist also das Restrisiko bedrohlicher geworden als es zuvor war, obwohl es davor ebenfalls bereits existiert hat. Wenn also von einer ‚neuen Lage‘ die Rede ist, dann hat sich die emotionale Einstellung der Regierung geändert. Die Entscheidung sowohl zur Laufzeitverlängerung als auch zum jetzigen Moratorium wären zumindest teilweise emotional getroffen worden.

Allerdings gibt es auch andere – zynischere – Erklärungsmöglichkeiten der entsprechenden Entscheidungen, die weniger emotional sondern rationaler sind. Da wären zuerst die zum Zeitpunkt des Unglücks in Japan direkt bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zu nennen. Brüderles Äußerungen im BDI stützen diese These, könnten ihrerseits aber auch Beschwichtigungstaktik gegenüber der Großindustrie sein.

Eine ebenfalls mögliche Erklärung, ist es den öffentlichen Druck infolge der Ereignisse in Japan von den Kernkraftwerkbetreibern zu nehmen. Es war klar, dass nach so einem Ereignis die vorhandene und durchaus starke Anti-Atomkraft-Bewegung weiteren Zulauf erhält. Das Unglück bringt das Thema zudem wieder in denFokus der Öffentlichkeit (wie ja auch geschehen). Man könnte die dreimonatige Abschaltung als eine Verschiebung der Diskussion an einen Zeitpunkt sehen, an dem der Eindruck der Bilder aus Japan verblasst ist. Da die Laufzeit der Kernkrafwerke in produzierten Strommengen gemessen wird, würde eine temporäre Abschaltung die Gesamtlaufzeit der Atomkraftwerke um eben jene drei Monate verlängern. Dafür spricht auch das Einsetzen einer Ethikkommission. Im Gegensatz zu Fragen wie dem Embryonenschutz spielen ethische Fragen bei der Laufzeitverlängerung keine Rolle, relevant ist hier eher die technische Bewertung des Risikos und die Frage, welches Risiko noch tragbar ist. Die Sicherheitsüberprüfung kann letztlich auch eine Ablenkung sein, da deren Ergebnis stark von den definierten Kriterien abhängt. Wie streng und wie unabhängig de Überprüfung ausfallen wird ist noch völlig offen.

Was kann im Juni alles passieren?

Was im Juni passieren wird ist noch sehr offen. Tatsächlich scheinen jahrelang festgefahrene Positionen plötzlich in Bewegung zu sein, aus welchen Gründen auch immer. So kam beispielsweise aus Richtung der bisher so atomfreundlichen FDP der Vorschlag, die im Moratorium abgeschalteten Kraftwerke dauerhaft vom Netz zu lassen. Aber auch die Befürworter der Kernenergie haben sich zu Wort gemeldet. Im Gegensatz zu den früheren Jahren, zeigen aber die Regierungsfraktionen keine einheitliche Meinung mehr. Daher ist es wahrscheinlich, dass es im Juni keine Rückkehr zum vorherigen Status-Quo gibt. Wie aber die neue Regelung aussehen wird ist derzeit noch völlig offen. Daher ist wohl momentan wahrscheinlich, dass Bürgerinitiativen, Demonstrationen oder Petitionen zu dem Thema zur Zeit in politischen Kreisen stärker zur Kenntnis genommen werden als sonst.

Möglich wäre es, dass die im Moratorium abgeschalteten Kernkraftwerke dauerhaft vom Netz bleiben. Wahrscheinlich ist dies für einen Teil davon. Außerdem könnte die Laufzeitverlängerung in Teilen revidiert werden. Wahrscheinlich ist ein verstärkter Ausbau des Stromnetzes und eine stärkere Förderung erneuerbarer Energien.

Derzeit versuchen sowohl Befürworter als auch Gegner die öffentliche Meinung durch Aussagen und – oft altbekannte – Argumente auf ihre Seite zu ziehen. Ich möchte mich damit ein wenig auseinandersetzen, die folgende Liste ist aber keineswegs vollständig. Viele Themen – beispielsweise die bisher ungelöste Frage der Endlagerung des Atommülls – lasse ich hier aus, da sie derzeit in der Diskussion auch nur eine untergeordnete Rolle spielen, obwohl sie bei der Gesamtbetrachtung des Thema wichtig sind.

Ist die Stromversorgung gefährdet? Verliert Deutschland seinen Status als Stromexporteur? Müssen wir Atomstrom aus Frankreich importieren?

Ein häufig gehörtes Argument für die Kernkraft ist, dass ohne sie die Versorgung Deutschlands mit Strom nicht gesichert werden kann. Stromausfälle wären die Folge. Alternativ wird angeführt, dass Deutschland nicht länger Strom exportieren würde sondern zum Stromimporteur würde. Und mit dem Import würde man ja sowieso wieder Atomstrom aus Frankreich oder Tschechien beziehen. Was ist dran an diesen Argumenten?

Zuerst einmal zum Stomexportland Deutschland. Deutschland hat nicht immer Strom exportiert. Tatsächlich hat Deutschland bis 2002 immer wieder mal Strom importiert. Ob Deutschland in der Summe mehr exportiert oder importiert hat wechselte von Jahr zu Jahr. Dies änderte sich jedoch beginnend mit dem Jahr 2003. Seitdem exportiert Deutschland stabil einen Stromüberschuß ins Ausland. Diese Änderung fällt mit dem Aufstreben der Windkraft als Stromerzeugungsquelle zusammen und hat eine ähnliche Größenordnung. Windkraft hat Deutschland als wahrscheinlich mit ausreichend Strom versorgt, um einen stabilen Export erst zu ermöglichen. Die folgende Grafik veranschaulicht den Zusammenhang.

Verlauf des Stromexports und der Stromgenerierung durch Windkraft in Deutschland
Stromexporte und Stromgenerierung durch Windkraft in Deutschland, eigene Grafik (Lizenz CC-BY) basierend auf Zahlen (PDF) der AG Energiebilanzen

Da Deutschland bereits Stromimporteur war, ist es also hinnehmbar und wirtschaftlich offensichtlich verkraftbar, dass auch in Zukunft Deutschland einen gewissen Anteil Strom importiert, solange dies nicht Überhand nimmt. Wie viel wäre hier nötig? Dazu betrachten wir zuerst, wie viel Strom weniger erzeugt wird, wenn die im Moratorium abgeschalteten Reaktoren weiterhin vom Netz bleiben. Leider können wir hier nicht mit der reinen Nettoleistung rechnen, da Kernkraftwerke – wie andere stromerzeugende Kraftwerke – dieses Potential nie ausschöpfen können. Da durch die AG Energiebilanzen aber Zahlen über die gesamte Stromgenerierung aus deutschen Kernkraftwerken vorliegen, können wir auf den Anteil des durch die abgeschalteten Meiler produzierten Stroms schließen. Dazu die Nettoleistung der Atomkraftwerke laut Wikipedia:

weiterhin laufend abgeschaltet (Moratorium)
KKW Nettoleistung in MW KKW Nettoleistung in MW
Isar 2 1.410 Unterweser 1.345
Brokdorf 1.410 Biblis B 1.240
Philippsburg 2 1.402 Biblis A 1.167
Grohnde 1.360 Philippsburg 1 890
Emsland 1.329 Isar 1 878
Neckarwestheim 2 1.310 Neckarwestheim 1 785
Grafenrheinfeld 1.275
Gundremmingen C 1.288
Gundremmingen B 1.284
Summe 12.068 Summe 6.305

Krümmel und Brunsbüttel lasse ich unberücksichtigt, da sie zum Zeitpunkt des Moratoriums bereits längere Zeit außer Betrieb waren und auch 2010 keinen Strom produzierten. Damit haben die abgeschalteten Reaktoren einen Anteil von etwa 34% an der gesamten Stromerzeugung durch Kernkraftwerke. Laut den Zahlen der AG Energiebilanzen wurden aus Kernkraft 2010 140,5 TWh erzeugt, 2009 waren es sogar nur 134,9 TWh. Angenommen wir hätten dieses Jahr regulär ebenfalls wieder 140 TWh mit Kernkraftwerken produziert, dann fehlen durch die abgeschalteten Meiler, sollten diese auch nach dem Moratorium vom Netz bleiben rund 50 TWh (eigentlich weniger, da sie ja bis zum März noch liefen). Diese 50 TWh müssten durch andere Quellen ausgeglichen werden.

2010 wurden 17 TWh exportiert. Wenn wir annehmen die Stromerzeugung würde abgesehen von der Kernenergie in diesem Jahr exakt wie im Jahr 2010 erfolgen, dann müssten wir 33 TWh importieren. Aber wahrscheinlich bleibt die Stromproduktion nicht gleich. Im Jahr der Finanzkrise 2009 wurde deutscher Strom im Ausland in erheblich geringerem Masse nachgefragt, dadurch sanken unsere Stromexporte und die Produktion. Insbesondere die Produktion von Strom aus Kohlekraftwerken wurde stark zurückgefahren. Waren es 2008 noch 275,2 TWh aus Braun- und Steinkohle (was bereits ein Rückgang gegenüber den Vorjahren darstellte) so waren es 2009 nur noch 253,5 TWh. 2010 fand nur eine teilweise Erholung statt, auf 263,0 TWh. Wenn wir einen Anstieg auf das Niveau von 2008 erwarten, dann werden durch Kohle 12 TWh mehr Strom erzeugt, als 2010. Hinzu kommt der stetige Zuwachs der Erneuerbaren Energien in den letzten Jahren. Im Krisenjahr 2009 gab es nur einen Zuwachs von 2,5 TWh, ansonsten sind die letzten Jahre durch starke Zuwächse im Bereich der Erneuerbaren gekennzeichnet, mit einem Plus von 15,9 TWh von 2006 auf 2007 als Maximum. 2010 gab es einen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr bei den Erneuerbaren von 7,4 TWh.

Nehmen wir für dieses Jahr einen Zuwachs der Erneuerbaren von 7 TWh an, dann ergibt sich insgesamt ein Importbedarf von 14 TWh über das Jahr. Das ist nicht wenig, läge aber unter unserem Stromexport in den letzten Jahren. Zudem sind die Annahmen teilweise recht konservativ. Durch einen Wegfall eines Teils der Kraftwerksleistung werden andere Kraftwerke konkurrenzfähiger und es ist anzunehmen, dass andere Kraftwerke (inklusive der noch laufenden Atomkraftwerke) näher an ihrer Maximalleistung arbeiten werden. 14 TWh dürfte daher eher eine obere Schranke beim Importbedarf an Strom sein. Zudem haben die Kraftwerke ja bereits zweieinhalb Monate Strom produziert, bevor sie abgeschaltet wurden. In den Folgejahren dürfte der Wegfall durch den Zubau weiterer Kraftwerksleistung kompensiert werden.

Stromausfälle dürften also kaum zu erwarten sein, da der zusätzliche Strombedarf sich im Rahmen hält. Deutschland würde allerdings vom Nettoexporteur zum -importeur werden, so wie es bereits vor 2003 immer wieder der Fall war. Der importierte Strom dürfte tatsächlich teilweise aus Atomkraftwerken in Frankreich und Tschechien kommen (Frankreich ist in den letzten Jahren das Land, aus dem wir am meisten Strom importiert haben). Allerdings ist der Importbedarf bereits nach meiner konservativen Rechnung weniger als ein Drittel der wegfallenden KKW-Leistung, also würde der Anteil des Atomstroms am Strommix dennoch erheblich sinken. Ein großer Teil wird meiner Rechnung nach durch bessere Auslastung von Kohlekraftwerken kompensiert, die CO2 emittieren. Dieses Szenario ist durchaus wahrscheinlich, aber auch hier gilt, dass dies weniger als ein Drittel der wegfallenden Strommenge ausmacht.

Nimmt der weitere Ausbau der Erneuerbaren Energien Schaden, wenn jetzt Kernkraftwerke dauerhaft abgeschaltet werden?

Wie der nachfolgenden Grafik zu entnehmen ist, fand in den letzten Jahren ein deutlicher Zuwachs bei der Produktion von Strom aus erneuerbaren Energiequellen statt.

Stromproduktion durch Erneuerbare Energien
Stromerzeugung durch Erneuerbare Energien, eigene Grafik (Lizenz CC-BY) basierend auf Zahlen (PDF) der AG Energiebilanzen

Von manchen wird das Argument vorgebracht, dass ohne die ‚Brücke‘ der Kernenergie die erneuerbaren nicht so schnell wachsen würden. Tatsächlich ist dies jedoch fraglich. Atomkraftwerke sind schlecht regelbar. Man kann ein Atomkraftwerk im laufenden Betrieb nicht einfach ausschalten, es dauert Wochen ehe es richtig heruntergekühlt ist (wie wir ja in Fukushima gerade sehen). Umgekehrt ist ein Atomkraftwerk auch nicht schnell hochgefahren. Wenn ein Atomkraftwerk hochgefahren ist, muss seine Stromproduktion irgendwo abgenommen werden, oder es kommt zu Überlastungen des Stromnetzes. Deshalb wird Strom immer wieder mal zu negativen Preisen an der Strombörse gehandelt, die Energiekonzerne suchen so händeringend einen Abnehmer für den überproduzierten Strom, dass sie sogar etwas draufzahlen.

Um Netzüberlastungen zu verhindern sind viele Erneuerbare Energieformen mit Schutzschaltkreisen ausgestattet, die die Produktion von Strom beenden, wenn die Netzspannung zu stark ansteigt. Rein praktisch stehen also Windräder still, wenn ein AKW zu viel Strom produziert. Tatsächlich werden in Zukunft Photovoltaikanlagen sogar überschüssigen Strom abnehmen. In dieser Form bremst der Strom aus KKWs also die erneuerbaren Energien. Auch wird notwendige Speicherkapazität belegt, denn der Betreiber eines Pumpspeicherkraftwerks wird lieber Atomstrom speichern, wenn er dafür sogar Zuschuss bekommt, als Strom aus Windkraft. Durch die Abschaltung von Atomkraftwerken werden also Speicherkapazitäten für erneuerbare Energien frei. Im Endeffekt wird also mehr regenerativ erzeugter Strom tatsächlich abgenommen. Damit werden die Anlagen aber auch rentabler und Investitionen in neue Anlagen lohnen sich mehr. Demnach profitieren Erneuerbare Energien sogar von der Abschaltung von Kernkraftwerken.

Werden Atomkraftwerke abgeschaltet, dann steigen die CO2-Emissionen

Wie bereits weiter oben erwähnt, wird die fehlende Stromproduktion aus den abgeschalteten Kernkraftwerken wohl teilweise durch Kohlekraftwerke aufgefangen werden. Nach einem starken Rückgang der Nutzung von Kohlestrom in der Finanzkrise 2009, der 2010 nicht komplett rückgängig gemacht wurde, dürfte es ausreichend Kapazitäten in Kohlekraftwerken geben. Diese emittieren jedoch CO2.

Allerdings ist die gesamte Lage – wie so oft – ein wenig komplizierter. Die CO2-Emissionen sind europaweit durch CO2-Emissionszertifikate gedeckelt. Die erhöhte Stromproduktion müsste also durch den Erwerb zusätzlicher CO2-Zertifikate abgedeckt werden, die dann an anderer Stelle in Europa fehlen. Theoretisch also müssten europaweit die Gesamtemissionen gleich bleiben. Praktisch aber sind sehr viele Zertifikate im Umlauf. In der zweiten Handelsphase werden Zertifikate für um 1,9% gegenüber 2005 reduzierten CO2-Emissionen ausgegeben. Ich weiß nicht, ob diese tatsächlich alle aufgebraucht werden würden. (Wer da mehr Informationen haben sollte, den bitte ich um Hinweise.) Zudem können CO2-Emissionen durch Klimaschutz-Maßnahmen in der dritten Welt ausgeglichen werden. Tatsächlich wird es wahrscheinlich zu einer Steigerung der CO2-Emissionen kommen. Fest steht, dass es zu einer Verteuerung der CO2-Emissionszertifikate kommen dürfte. Dies dürfte die Lage für einige extreme CO2-Produzenten erschweren.

Atomenergie oder Kernenergie?

Ich bin vereinzelt über Diskussionen gestolpert, wo (speziell Befürworter der Atomenergie) darauf bestanden von Kernenergie, Kernkraftwerken usw. zu sprechen. Ihrer Argumentation nach ist dies der korrektere Begriff, da technisch Kerne gespalten werden, nicht Atome. Zuerst wurde allgemein von Atomkraft gesprochen, von Befürwortern wie den sich formierenden Gegnern. Deshalb tragen zugehörige Organisationen auch das Atom im Namen, wie die Internationale Atomenergie-Organisation oder das deutsche Atomforum. Allerdings wollte man sich von den zunehmend als negativ angesehenen Atombomben absetzen und deshalb gab es eine Begriffsverschiebung auf Befürworterseite zu Kern als Wortbestandteil. Gleichzeitig wurde diese Begriffsverschiebung aber nicht auf die Atombombe angewendet, da man sich ja gerade von dieser unterscheiden wollten. Technisch laufen in beiden Fällen Kernspaltungsprozesse ab, also müsste man nach der obigen Argumentation auch von der Kernbombe sprechen. Wenn man es aber wirklich korrekt betrachtet sind sowohl Atom- als auch Kern- als Wortbestandteil ungenau, man sollte eher von Kerspaltungsenergie oder Kernspaltungsbombe (im Gegensatz zur Kernfusion) sprechen. Praktisch ist aber bei beiden Begriffen allen klar worum es sich handelt, die Umgangssprache ist nie genau, und keiner der Begriffe ist speziell diffamierend oder euphemistisch. Daher kann man meiner Meinung nach beide Begriffsbestandteile ohne schlechtes Gewissen synonym verwenden. (siehe auch die Wikipedia dazu)

Update

Im Heise-Forum fand sich der Hinweis auf eine weitere Quelle: http://www.bfs.de/de/kerntechnik/Strommenge_Jahr2010.pdf. Daraus kann man entnehmen, dass die von den abgeschalteten KKW gelieferten Strommengen 2010 sogar nur 40 TWh statt 50 TWh betrugen. Dementsprechend sinkt aufgrund meiner Rechnung der Importbedarf auf 4 TWh.

Quellen


7 Antworten auf „Was soll nach dem Moratorium für Kernkraftwerke kommen? (Update)“


  1. 1 multiverus 08. Mai 2011 um 23:59 Uhr

    Hallo Herr Josche, darf ich zum bequemeren du übergehen? Danke. Auf Telepolis hast du auf diesen Artikel aufmerksam gemacht.

    Ich vermisse in deinem Artikel ein Bewusstsein für die prinzipiellen Mängel von WK und PV. Auch vermisse ich die Differenzierung zwischen Jahresbilanz und momentan verfügbarer Kraftwerksleistung. Die eingespeiste Strommenge muss ja zu jeder Minute und zu jeder Sekunde exakt dem Bedarf folgen, um die Netzfrequenz stabil zu halten. Jahresbilanzen sagen dazu nichts aus.

    Bei deiner Betrachtung der produzierten Strommengen betrachtest du Deutschland an monolithische Einheit. Das ist nur rein rechnerisch richtig. Was hat das für einen Wert, wenn das Stromnetz gar nicht dafür ausgelegt ist (Leitungskapazitäten), um Strom zu jeder Zeit an jeden beliebigen Standort in D zu transportieren?

    Unser Energieversorgungsnetz ist nicht dazu in der Lage, beliebige Strommengen an jeden beliebigen Ort zu verteilen. Daraus erklärt sich, warum Süddeutschland sein Stromdefizit aus dem umliegenden Ausland auffüllt.

    Den Zuwachs der verfügbaren Strommengen durch „erneuerbare“ Energiequellen betrachtest du vollkommen gleichwertig zu wegfallenden Strommengen aus fossilen KW oder KKW. Das unterschlägt einen wichtigen Aspekt, der nicht durch politische Willenserklärung aus der Welt geschafft werden kann:

    Um eine weiter stabile Stromversorgung zu gewährleisten bei immer grösseren unsteten „erneuerbaren“ Strommengen, sind immer mehr schnell hochfahrbare Schattenkraftwerke notwendig, wozu wesentlich nur fossile Energieträger in Frage kommen (Gasturbinen). Weil die Bundespolitik aber ein Gesetz erlassen hat, was die völlig uneingeschränke Einspeisung „erneuerbarer“ Energie in beliebiger Höhe ins Netz erzwingt, sind derartige Schattenkraftwerke vollkommen unrentabel, weshalb sich die grossen Energieversorger dabei verständlicherweise sehr zurückhalten.

    Damit wird die Menge der Grundlast tragenden Kraftwerke immer geringer wird. Logischerweise wächst die Wahrscheinlichkeit immer stärker an, dass es irgendwann mächtig knallen wird: Der große Stromausfall kommt

    Deine Vorstellung, Zitat: „Stromausfälle dürften also kaum zu erwarten sein, da der zusätzliche Strombedarf sich im Rahmen hält“ geht an diesen Realitäten vollkommen vorbei.

    Stromimporte
    Du räumst ein, dass zu den notwendigen Stromimporten natürlich auch Atomstrom sein wird. Vergessen hast du folgende Aspekte
    A) auf den Sicherheitsstandard dieser KKW (im Gegensatz zu deutschen) haben wir keinen Einfluss. Französische oder tschechische sind nicht den superstrengen deutschen Sicherheitsrelegungen unterworfen.
    B) auf die Zusammensetzung des importierten Stroms (Atom,Fossil,Wasserkraft etc.) haben wir allenfalls indirekt Einfluss – über den Preis
    C) du berücksichtigst nicht die zunehmende Schwankungsbreite des heimisch produzierten Stroms (immer mehr EE), was sich in zunehmender Schwankungsbreite des importierten Stroms niederschlagen wird.

    Du zeigst eine Grafik „Stromerzeugung durch Erneuerbare Energie“ ohne das geringste Problembewusstsein.

    Regelbarkeit von KKW
    Du schreibst, dass KKW schlecht regelbar seinen, Zitat: „es dauert Wochen ehe es richtig heruntergekühlt ist (wie wir ja in Fukushima gerade sehen)“. Was hat die Zeit des Herunterkühlens mit der Stromlieferung zu tun? Was soll der unsinnige Vergleich mit Fukushima? Wie schnell KKW vom Netz getrennt werden können (also keinen Strom mehr liefern), beweist die Abschaltung der dem Moratorium unterliegenden KKW in Süddeutschland. Nämlich auf den Punkt zu Mitte März.

    Und noch eins zur „schlechten Regelbarkeit“. Nehmen wir an ich hätte ein KKW, was 180 Tage Vorlaufzeit benötigt. Dann kann ich damit – ganz im Gegensatz zu WK oder PV – hervorragend planen, die Stromlieferung in vereinbarter Höhe zum gewünschten Zeitpunkt garantieren. Dieses Kraftwerk wird mir nämlich in 180 Tagen – vorhersagbar – die benötigte Strommenge liefern. Wie willst du das mit WK oder PV anstellen? Die Wettervorhersage wird ja schon nach einer Woche unzuverlässig!

    Erneuerbare
    Du führst aus, Zitat:

    „Um Netzüberlastungen zu verhindern sind viele Erneuerbare Energieformen mit Schutzschaltkreisen ausgestattet, die die Produktion von Strom beenden, wenn die Netzspannung zu stark ansteigt. Rein praktisch stehen also Windräder still, wenn ein AKW zu viel Strom produziert.“

    Wo hast du denn diese Mär her? Was nützen diese Schutzkreise, wenn sie nicht zum Schutz des Netzes, sondern zum Schutz der WKA oder PV des Betreibers eingesetzt werden? Diesen ist gesetzlich eine 100%ige Einspeisung garantiert! Wenn zuviel Strom ins Netz eingespeist wird, dann denken die WK/PV-Betreiber überhaupt nicht daran, ihre Anlagen abzuschalten. Vielmehr sind die Netzbetreiber gezwungen, fossile Kraftwerke vom Netz nehmen, müssen überschüssigen Strom sogar zu Schnäppchenpreise an der Strombörse verhöckern. Die WK/PV-Betreiber aber lachen sich ins Fäustchen, sie kriegen alles voll bezahlt.

    ... so ich muss hier mal Schluss machen mangels zeit. den rest werde ich mir (hoffentlich) auch noch vornehmen können.

    ***

    Was mir sonst noch so aufgefallen ist:
    * Du führst Hiroshima und Nagasaki als „Atomunfall“ auf, das ist etwas unpassend. „Restrisiko“ ist eigentlich kein Euphemismus, wie du schreibst.
    * Risiken kann man minimieren. Doch wie weit man diese Minimierung auch immer treibt, bleibt dennoch ein Risiko übrig. Genau dies ist das berühmte „Restrisiko“.
    * Brüderles Äusserung zum Moratorium (dem Wahlkampf geschuldet) ist zwar politisch unklug, nicht aber von der Sache her. Es zeigt (mir), dass es – gottseidank – noch Leute in der Politik gibt, die sich der Unmöglichkeit einer vollständig auf „erneuerbaren“ Energien aufgebauten Energieversorgung für eine Industrienation wie Deutschland bewusst sind.

  2. 2 mnementh 12. Mai 2011 um 12:18 Uhr

    Ich fasse mal meine Antwort darauf ein wenig zusammen. Deine Kritik an den Erneuerbaren verengt sich auf Windkraft und Photovoltaik. Dass es da weitaus mehr gibt, wird geflissentlich ignoriert.

    Strom aus Biomasse ist hervorragend regulierbar. Man kann den Strom dann erzeugen wenn er gebraucht wird und eine Biogasanlage ist wie eine mit Erdgas betriebene Anlage innerhalb kurzer Zeit angefahren. Wie Du obiger Grafik entnehmen kannst, hat Strom aus Biomasse bereits 2008 die Stromproduktion aus Wasserkraft übertroffen und könnte in den nächsten Jahren Windkraft als Nummer 1 bei den Erneuerbaren ablösen.

    Wasserkraft ist gut vorhersagbar und wenig volatil. Zwar kann man Laufwasserkraftwerke nicht regulieren (nur ganz vom Netz abklemmen), aber ihre Stromproduktion ist gut vorhersagbar, da man weiß was gerade so die Flüsse herunterläuft. Deshalb werden sie als Grundlastkraftwerke gesehen. Wasserkraftwerke mit Staubecken sind dagegen gut regulierbar und können relativ schnell reagieren. Sie sind damit Kohlekraftwerken und Kernkraftwerken sogar überlegen, denn eine Kohleglut muss erst einmal über Stunden angeheizt werden und das Wiederanfahren eines KKW ist ein langwieriger Prozess. Zudem müssen regelmäßig die Brennstäbe gewechselt werden, während der Zeit (Tage bis Wochen) ist das KKW gar nicht am Netz.

    Photovoltaik ist gar nicht so volatil, wie von Dir dargestellt. Zwar kann man die Sonneneinstrahlung nicht regulieren, aber hervorragend vorhersagen. Wolken verhindern zudem nicht die Stromproduktion, da dann das Streulicht immer noch für Stromversorgung sorgt. Selbst einzelne Wolkenfetzen, die vom Wind getrieben immer wieder einzelne Anlagen abschatten sind vernachlässigbar, da der gleiche Wolkenfetzen dafür nicht mehr die andere Anlage beschattet. Bei halbwegs gleichmäßiger Verteilung der PV-Anlagen kann man also aus der mittleren Wolkendichte sehr gut die Stromproduktion vorhersagen. Zudem gibt es keine plötzlichen Veränderungen. Zwar mag eine Wolke für einen einzelnen Beobachter schnell auftauchen, aber die Wolke gab es schon vorher und wurde nur vom Wind bewegt. PV hat sogar den immensen Vorteil, dass ihr Strom dann zur Verfügung steht, wenn er gebraucht wird: am Tag.

    Bleibt die Windkraft als volatile Stromquelle. Wie schon im Telepolis-Kommentar beschrieben, ist mit Hilfe eines Wetterberichts die Stromproduktion schon recht gut vorhersagbar. Allerdings ist diese Stromquelle volatiler als andere und damit schon eine größere Herausforderung. Keine unschaffbare. Ich habe in Telepolis zu dem FAZ-Artikel gesagt, dass Ostern nichts passiert ist – immerhin war das das Szenario, dass ein Überangebot aus Strom aus Windkraft an den Feiertagen bei geringer Nachfrage zu einem Blackout führt. Aber das ist unwahrscheinlich, denn ich darf mal §6 des EEG zitieren:

    Anlagenbetreiberinnen und -betreiber sind verpflichtet,
    1. Anlagen, deren Leistung 100 Kilowatt übersteigt, mit einer technischen oder betrieblichen Einrichtung
    a) zur ferngesteuerten Reduzierung der Einspeiseleistung bei Netzüberlastung […] auszustatten, auf die der Netzbetreiber zugreifen darf

    Ein einzelnes Windrad hat üblicherweise zwischen 1 und 5 MW Leistung. Also fällt schon ein einzelnes Windrad unter diesen Paragraphen. Hier steht also drin was ich schon sagte: Man kann die Windkraftanlagen bei Netzüberlastung abschalten. Deshalb ist es albern dass der Windstrom zu negativen Preisen verkauft wird, denn dazu verpflichtet das EEG nicht. Wenn die Energieunternehmen den Windstrom nicht loswerden und die Strommenge droht das Netz zu überlasten, dann werden eben Windräder ausgeknipst.

    Dennoch würden natürlich mehr Leitungen helfen, da gerade die Länder in Süddeutschland eher auf KKW und Kohle gesetzt haben. Das rächt sich natürlich nun mit dem Atommoratorium, und die Windkraft im Norden kann nur bedingt aushelfen, so weit die Leitungen dafür reichen. Leider habe ich dafür keine konkreten Zahlen, wenn die jemand liefern könnte wäre ich interessiert.

    Einen großen Teil des Strom aus Erneuerbaren wird man dennoch für die Abfederung der Ausfälle nutzen können, die Ausbauforderungen des Netzes nehmen ja derzeit eher Bezug auf die zukünftig gebauten Offshore-Windparks.

    Abgesehen davon verwies ich bereits darauf, dass in der Finanzkrise die Stromproduktion nachgelassen hat und sich auch 2010 nicht auf Vorkrisenniveau erholt hat. Da auch vor der Krise schon Ersatzreserven zur Verfügung gestanden haben dürften, gibt es auch in Süddeutschland noch einiges an Kraftwerksreserven. Für die Zukunft sollte aber im Süden der Rückstand bei den Erneuerbaren ausgeglichen werden.

    Trotz der Reserven kann sich gegebenfalls ein Import mehr lohnen. Stromausfälle dagegen dürften unwahrscheinlich sein. Ein wolkiges FAZ-Szenario für Ostdeutschland und andere Verhältnisse (kein Moratorium) reicht mir hier nicht, um meine Meinung zu ändern. Harte Zahlen wären besser.

    A) auf den Sicherheitsstandard dieser KKW (im Gegensatz zu deutschen) haben wir keinen Einfluss. Französische oder tschechische sind nicht den superstrengen deutschen Sicherheitsrelegungen unterworfen.

    Sind denn die deutschen Sicherheitsregelungen superstreng? Das ist eine unbewiesene Behauptung. Tatsächlich hat kein deutscher Reaktor einen Core Catcher, aber chinesische Kraftwerke. In Frankreich und Finnland baut man an solchen Reaktoren. Deutschland: Fehlanzeige. Das deutsche Kraftwerke die sichersten der Welt seien, ist genauso haltlos wie entsprechende Beteuerungen der Franzosen, Finnen, Russen, US-Amerikaner und Japaner für jeweils ihre eigenen Kraftwerke. Wer so etwas behauptet, sollte Belege anführen können.

  3. 3 multiverus 19. Mai 2011 um 1:54 Uhr

    Hallo,
    der Hinweis auf §6 EEG überzeugt nicht, weil das nicht vereinbar ist mit der Tatsache, dass die Energiekonzerne ihren Strom auf der Börse in Problemsituationen verschleudern oder sogar noch draufzahlen, nur um ihn loszuwerden.

    Ich denke, du hast nur die Hälfte der Wahrheit geschrieben. Und das dürfte die Frage der Kosten sein. Darüber schweigt sich §6 nämlich aus … !

    Zu Strom aus Wasserkraft:
    Das ist nicht Gegenstand meiner Krtik.

    Wasserkraft steht in unserem Land nur in begrenztem Mass zu Verfügung und kann aufgrund der Topologie auch nur sehr begrenzt ausgebaut werden. Für Geothermie gilt das gleiche. Ihre Bedeutung ist aber noch marginaler.

    Schade. Denn beide sind – im Gegensatz zu PV und WKV – planbar, also weitgehend nach Bedarf lieferbar.

    > Strom aus Biomasse bereits 2008 die Stromproduktion
    > aus Wasserkraft übertroffen und könnte in den nächsten
    > Jahren Windkraft als Nummer 1 bei den Erneuerbaren
    > ablösen.

    Biomasse wird als das definiert, was durch Lebewesen — Mensch, Tier und Pflanze — an organischer Substanz entsteht. Daher wäre interessant, aufzuschlüsseln, wie sich die eingesetzte Biomasse denn zusammensetzt (nicht einfach „fest, flüssig, gasförmig“, sondern ganz konkret). Um zu sehen, auf Kosten der Verfügbarkeit welcher Stoffe und Märkte das denn geht.

    Solange nur „Abfallstoffe“ eingesetzt werden, mag das ok sein. Wenn aber diese Energiequelle „zur Nummer 1″ werden soll, dann dürfte das kaum ausreichen. Man wird Pflanzen als Biomasse-Lieferanten anbauen müssen, wenn es nicht eh schon geschieht. Das aber geht auf Kosten der Flächen zur Nahrungsmittel-Produktion. Vielleicht auch zum Schaden des Waldes, indem ihm vermodernde Biomasse entzogen wird.

    Schreckensbild sind aktuell die riesigen Brandrodungen in Indonesien. Die gewaltige Mengen an CO2 in die Luft blasen … das muss man dann der Stromerzeugung aus Biomasse zurechnen. Womit diese dann alles andere als „klimafreundlich“ ist.

    > Strom aus Biomasse ist hervorragend regulierbar.

    Toll. Aber als alleiniges Argument etwas dünn.

  4. 4 mnementh 19. Mai 2011 um 7:30 Uhr

    Die Netzbetreiber wären schön doof, wenn sie bezahlen um den Strom abzunehmen UND dann noch draufzahlen um den Strom wieder loszuwerden. §6 des EEG bietet ihnen die Handhabe Überproduktionen abzulehnen. Sogar mit direkter Einflussnahme, denn das EEG schreibt ja vor, dass diese Drosselung ferngesteuert erfolgen kann. Bei Kohle- oder Kernkraft ist dies dagegen schwierig. Regelung erfolgt mit Verzögerung und minimal zu rund der Hälfte der Maximalleistung. Danach bleibt nur komplette Abschaltung, und die könnte leicht wieder die Vorzeichen des Problems umkehren. Es nützt wenig, dass man bestimmten Abnehmern Strom schon 150 Tage vorher verkauft, wenn man nicht weiß, ob die normalen Endverbraucher in der nächsten Minute viele Geräte einschalten oder diese ausschalten. Daher sind es die konventionellen Kraftwerke, deren Strom zu negativen Preisen verkauft wird.

    Wasserkraft steht tatsächlich in begrenztem Masse zur Verfügung und in den letzten Jahren war der Beitrag der Wasserkraft zur Stromversorgung auch mehr oder weniger konstant. Aber ein gewisses zusätzliches Potential besteht schon. Insbesondere Laufwasserkraftwerke sind teilweise ohne allzu große Investitionen errichtbar. Stauseen dagegen erfordern bestimmte geographische Verhältnisse und sind mit immensen Investitionen verbunden.

    Biomasse ist tatsächlich problematisch. Allerdings ist Fakt, dass es derzeit bei den Erneuerbaren Energieträger #2 ist und starke Zuwächse hat. Deshalb kommt es mir in der Diskussion – sowohl bei Chancen und Problemen – viel zu kurz. Es wird mehr über die Photovoltaik berichtet, die zwar ein großes Potential hat, aber derzeit einen deutlich kleineren Anteil an der Stromversorgung liefert. Aber Deine Kritik an Windkraft sind die starken Schwankungen (PV dagegen ist sehr gut vorhersagbar und sehr geringen Schwankungen unterworfen, wie bereits ausgeführt, ganz ähnlich wie Laufwasserkraftwerke). Biomasse hat dieses Problem nicht und kann sogar als Ausgleichskraftwerk funktionieren. Hier in Europa ist das Problem durch die Verdrängung von Nahrungspflanzen geringer, immerhin haben wir eine Überproduktion. Mit etwas Glück (aber man sollte nicht zu sehr hoffen) reduziert das die desaströsen Nahrungsmittelexporte in die dritte Welt, die oft die lokale Landwirtschaft konkurrenzunfähig machen und diese Länder von uns abhängig machen.

  5. 5 multiverus 19. Mai 2011 um 16:42 Uhr

    > Die Netzbetreiber wären schön doof, wenn sie bezahlen um den
    > Strom abzunehmen UND dann noch draufzahlen um den Strom wieder
    > loszuwerden.

    Sinn und Motivation dieser Überlegung kann ich nicht nachvollziehen. Wo habe ich derartiges geschrieben?

    > §6 des EEG bietet ihnen die Handhabe Überproduktionen
    > abzulehnen.

    Nö. Das interpretierst du dort so hinein. Mit Verweis auf §64 werden die technische Randbedingungen des Betriebs einer einzelnen WKA betrachtet. Mit keinem Wort wird dort auf die Netz-Problematik durch die Einspeisung unsteter Strommengen durch tausende von WKA eingegangen.

    Noch einmal: Strom wird ggf. an der Strombörse verschleudert, weil zur Unzeit WKA und PV in der Summe gemeinsam zuviel Strom liefern – ungeachtet §6 EEG. Nämlich ansynchron zur jeweils tatsächlich benötigten Strommenge. Wenn die Netzbetreiber den Strom von WKA und PV also nicht abschalten – wie der genannte Paragraph es ihnen angeblich erlaubt – dann hat das Gründe. Und welche Gründe mag ein kostenorientiert arbeitendes Unternehmen wohl haben, etwas nicht zu tun ???

    Stichwort „Überproduktion“: Stromlieferungen von WKA und PV zeichnen sich naturgemäß aus durch: a) Überproduktion oder b) Unterproduktion. Überproduktion heisst: mehr als das Netz aktuell benötigt, Unterproduktion heisst: weniger als das Netz aktuell benötigt.

    Wer behauptet, nicht die unsteten Strommengen von WKA und PV seien dass Problem, sondern die „Schwäche“ der konventionellen KW, diese unsteten Einspeisungen so schnell und genau abzufedern, dass die Summe des produzierten Stroms jeweils den Bedarf deckt – der sieht die Ursachen für eine Überproduktion freilich ganz anders.

    Ich habe in meinem Posting auf telepolis – http://www.heise.de/tp/foren/S-Re-Netto-Stromimporteur-Deutschland/forum-199647/msg-20222835/read/ – die Unsinnigkeit einer derartigen Sichtweise hinreichend thematisiert.

    Halten wir mal fest:
    Ich habe deine Darstellung sowohl hier in deinem Blog als auch auf telepolis zur Kenntnis genommen. Ich habe mangels Zeit nicht allem widersprochen, was einen Widerspruch verdient hätte. Wer nicht bestimmte (energie)politische Ziele über die Fakten stellen will, für den ist der Grundtenor deiner Darstellungen tendenziös und wenig überzeugend. Deshalb bin ich dem argumentativ entgegengetreten, habe dies auf telepolis(!) – ob deren teilweise absurder Unsinnigkeit – auch emotional unterstrichen, was du als „Beschimpfung“ deutest.

    (P.S. vom Inhalt abgesehen: der Blog hier ist solide, da steckt viel Arbeit drin! Schade dass der Verfasser überwiegend die gängige Energiepropaganda vertritt.)

  6. 6 multiverus 21. Mai 2011 um 1:35 Uhr

    Ich habe mir nun mal das EEG näher angeschaut. Und … nicht zu fassen! … dein Verweis auf §6 EEG ist ja noch irreführender, als ich gedacht habe!

    Ich darf mal aus §12 EEG zitieren:

    Der Netzbetreiber, in dessen Netz die Ursache für die Notwendigkeit der Regelung nach § 11 Abs. 1 liegt, ist verpflichtet, Anlagenbetreiber(…), die aufgrund von Maßnahmen nach § 11 Abs. 1 Strom nicht einspeisen konnten, in einem vereinbarten Umfang zu entschädigen.

    §11 erlaubt den Netzbetreiber zwar, Stromeinspeisungen aus EE-Quellen abzuregeln, aber nur dann, wenn, Zitat:

    sie sichergestellt haben, dass insgesamt die größtmögliche Strommenge aus Erneuerbaren Energien und aus Kraft-Wärme-Kopplung abgenommen wird, …

    Ich sehe mich vollauf bestätigt in meiner Auffassung zu diesem Punkt. Den Netzbetreibern drohen tatsächlich erhebliche finanzielle Risiken – auch infolge drohender rechtlicher Auseinandersetzungen fürchten müssen.

    Um deine Worte mal richtig zu stellen: Die Netzbetreiber wären schön blöd, wenn sie versuchen würden, Strom aus EE-Quellen abzuregeln, anstatt überflüssigen Strom auf der Strombörse zu „verschenken“. Das ist angesichts der Knebelparagraphen den EEG eindeutig das kleinere Übel !!!

  7. 7 mnementh 21. Mai 2011 um 9:33 Uhr

    Interessanter Fund, das wusste ich nicht. Ändert aber auch nichts an meiner Aussage und wenn Du darüber nachdenkst siehst Du den Fehler in Deiner:

    Um deine Worte mal richtig zu stellen: Die Netzbetreiber wären schön blöd, wenn sie versuchen würden, Strom aus EE-Quellen abzuregeln, anstatt überflüssigen Strom auf der Strombörse zu „verschenken“. Das ist angesichts der Knebelparagraphen den EEG eindeutig das kleinere Übel !!!

    Wenn ich den zitierten Paragraphen richtig interpretiere, müssen die Netzbetreiber bei Abschaltung der Anlage den Strom bezahlen, als wenn sie ihn abgenommen hätten. Richtig?
    Dann hat der Netzbetreiber (bei einer Überproduktion, die die Netzstabilität gefährdet) die Wahl zwischen a) das EE-Kraftwerk abzuschalten und die nicht abgenommene Strommenge zu bezahlen oder b) es nicht abzuschalten, die Strommenge zu bezahlen und ZUSÄTZLICH noch Geld draufzulegen um den Strom zu verhökern. Also rein marktwirtschaftlich würde ich mich ja für a entscheiden.

    Also gibt es weder Netzüberlastungen durch Windkraftwerke, wie der schlecht recherchierte FAZ-Artikel suggeriert, noch entstehen die negativen Strompreise durch Windkraft.

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