Wahlanalyse Sachsen-Anhalt

Die Wahl in Sachsen-Anhalt ist vorüber und inzwischen liegt auch ein offizielles vorläufiges Endergebnis vor.

Wahlbeteiligung und ungültige Stimmen

Die Wahlbeteiligung ist dieses Mal angestiegen, allerdings auf extrem niedrigem Niveau. 2006 gaben 44,4% ihre Stimme ab. Diesmal gab es auch in absoluten Zahlen (mehr als 1 Million Wähler gegenüber 923.000 in 2006) mehr Wähler – und das bei gesunkener Zahl an Wahlberechtigten. Woran das liegt kann ich natürlich nur vermuten, vielleicht spielen aber der drohende Einzug der NPD und die Katastrophe in Japan eine Rolle.

Die Zahl der ungültigen Stimmen ist bei den Erststimmen leicht gesunken (von 27.000 auf 26.000), während ihre Anzahl bei den Zweitstimmen gegenüber 2006 anstieg (von 21.000 auf 24.000). Möglicherweise auch teilweise ein NPD-Effekt, manche mögen geglaubt haben auch eine ungültige Stimme erschwert die 5%-Hürde. Dem ist aber nicht so, wie in den meisten Bundesländern wird auch hier die 5%-Hürde anhand der abgegebenen gültigen Stimmen ermittelt.

Ergebnisse und Sitzverteilung

Hier mal die Auflistung der Ergebnisse in Stimmenzahlen (der Zweitstimmen) und der prozentuale Anteil an den abgegebenen Zweitstimmen was wir immer im Fernsehen sehen) sowie der Anteil an den Wahlberechtigten (was auch mal interessant ist).

Partei Stimmen Anteil an gültigen Stimmen Anteil an Wahlberechtigten
CDU 322.897 32,5% 16,2%
DIE LINKE 234.917 23,7% 11,8%
SPD 213.586 21,5% 10,7%
FDP 38.172 3,8% 1,9%
GRÜNE 70.906 7,1% 3,6%
FREIE WÄHLER 28.181 2,8% 1,4%
KPD 1.747 0,2% <0,1%
MLPD 2.317 0,2% 0,1%
NPD 45.697 4,6% 2,3%
ödp 1.504 0,2% <0,1%
Tierschutzpartei 15.727 1,6% 0,8%
PIRATEN 13.809 1,4% 0,7%
SPV 3.715 0,4% 0,2%

Ergebnisse der Landtagswahlen 2011 in Sachsen-Anhalt in Anteilen an den Wahlberechtigten
(eigenes Bild, Lizenz CC-BY)

Bei den Direktkandidaten gibt es keine großen Überraschungen. Wie erwartet entfielen Direktmandate nur auf Kandidaten der CDU, der SPD und der Linken. Die CDU gewann mit Abstand die meisten Direktmandate, sogar eines mehr als 2006, also diesmal 41. Für die SPD gewann nur ihr Spitzenkandidat Jens Bullerjahn ein Direktmandat. Die Linkspartei errang wie 2006 3 Direktmandate. Aufgrund des schwächeren Zweitstimmenergebnisses der CDU gibt es diesmal für diese 7 statt nur 3 Überhangmandate. Aufgrund der Ausgleichsmandatsregelung ist das neue Parlament also um 14 Plätze größer als regulär.

Sitzverteilung im Parlament
(Bild des Landeswahlleiters, Copyright liegt dort)

Die NPD ist dieses Mal mit 4,6% an der 5%-Hürde gescheitert. An ihrem Beispiel verdeutlicht sich die Bedeutung der Nichtwähler: Legen wir die gültigen Stimmen der Landtagswahl 2006 zugrunde, dann hätte die NPD mit der heutigen Stimmenanzahl 5,06% erhalten. Sie hätte damit die 5%-Hürde geschafft. Damit muss ich meine eigene Aussage von vor eineinhalb Jahren korrigieren. Damals habe ich behauptet, die Wähleranzahl ist bei den extremistischen Parteien zu instabil, um sicher verkünden zu können dass Nichtwähler die Rechten begünstigen. Wie man in Sachsen-Anhalt sieht, kann es durchaus zu einer solchen Konstellation kommen. Das Restrisiko als Nichtwähler eine Rechtspartei zu begünstigen ist also durchaus real.

Bemerkenswert ist auch das Ergebnis der neu angetretenen Freien Wähler. Nicht nur bekamen sie von mehr als 28.000 Menschen Zweitstimmen, ihr Anteil an den Erststimmen ist sogar noch größer. 48.341 Erststimmen erhielten die Kandidaten der Freien Wähler und damit 4,9% der abgegebenen gültigen Erststimmen. Offensichtlich haben sich die Kandidaten der FW als gute Alternative zu den Kandidaten der etablierten Parteien positionieren können.

Gewinne und Verluste der Parteien

Im allgemeinen werden die Gewinne und Verluste als Differenz der erzielten Anteile an den abgegebenen gültigen Stimmen ausgewiesen. Ich halte dies für irreführend, da sich diese Basiszahl stark ändert. Dadurch kommt es zu Paradoxien. Diesmal ist das Phänomen bei der Linkspartei zu sehen. Obwohl sie 17.622 Stimmen mehr erhielt als 2006 wird sie aufgrund der gestiegenen Wahlbeteiligung mit einem Verlust von 0,4% geführt.

Ich habe daher die Gewinne/Verluste als Differenz der Wählerstimmen berechnet und einen prozentualen Zugewinn gegenüber der Stimmenanzahl 2006 berechnet. Ich habe nur die Parteien aufgeführt, die bereits 2006 angetreten sind.

Partei Stimmenanzahl Gewinn/Verlust prozentuale Veränderung
CDU 322.897 -3.824 -1,2%
DIE LINKE 234.917 +17.622 +8,1%
SPD 213.586 +20.832 +10,8%
FDP 38.172 -22.037 -36,6%
GRÜNE 70.906 +38.789 +120,8%
MLPD 2.317 -1.743 -42,9%

Veränderungen der Stimmenanteile der Parteien bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2011
(eigenes Bild, Lizenz CC-BY)

Interessant an der Verluststatistik ist, dass die MLPD 1.743 Zweitstimmen verloren hat, die 2006 nicht angetretene KPD hat 1.747 Stimmen erhalten, also fast die gleiche Anzahl. Das kann natürlich auch Zufall sein, es sieht aber verdächtig danach aus, dass die für die MLPD verlorenen Wähler die KPD gewählt haben.

Koalitionsmöglichkeiten

So wie vorher erwartet kann die schwarz-rote Koalition weiterregieren und wird dies wahrscheinlich auch tun. Eine rot-rote oder rot-rot-grüne Koalition ist unwahrscheinlich aber rechnerisch möglich. Schwarz-grün hat keine Mehrheit.

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1 Antwort auf „Wahlanalyse Sachsen-Anhalt“


  1. 1 Benno 21. März 2011 um 13:08 Uhr

    Interessante Ausfphrungen & Infos

    Meine „Abrechung mit den Nicht-Wählern und denen, die mit ihrer Zahl argumentieren“

    http://direkteaktion.over-blog.de/article-36744661.html

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