Gehört der Islam zur deutschen Kultur?

Unser neuer Innenminister Hans-Peter Friedrich hat sich ja zu seinem Amtsantritt medienwirksam in die Nesseln gesetzt, indem er sagte, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Damit widerspricht er direkt dem Bundespräsidenten Wullf, der letztes Jahr sagte: „Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“. Damit erntete Friedrich viel Kritik. Manche wollen dem Innenministerium nun den Vorsitz über die Islamkonferenz entziehen. Aber gehört der Islam nun nach Deutschland?

Tatsächlich kann man die Debatte unter verschiedenen Blickwinkeln betrachteten. Da gäbe es beispielsweise die kulturell/historische Betrachtungsweise. Hat der Islam Einfluss auf unsere Kultur gehabt? Heute verwenden wir nicht mehr die römischen Ziffern in Europa, sondern indische Ziffern (häufig als arabische Ziffern bezeichnet). Dieses Ziffernsystem kam über den Umweg der arabisch/islamischen Welt zu uns. Mehr noch, die europäischen Gelehrten übernahmen viel aus der damals fortschrittlichen arabischen Mathematik. Ohne diesen Einfluss wäre die wissenschaftliche Entwicklung in Europa anders, vermutlich sehr viel langsamer verlaufen. Das ist schon ein gewaltiger, aber oft ignorierter Einfluss auf unsere moderne Kultur. Ein weiteres Beispiel des Einflusses auf unsere europäische/deutsche Kultur durch die islamische Welt ist die Einführung des Kaffees als Genussmittel. Auch in unserer Literatur hatte der Islam und die islamische Welt Einfluss, sei es bei Karl May oder Goethes West-östlicher Divan.

Ein Einfluss des Islam auf unsere Kultur und Geschichte lässt sich also wohl kaum leugnen. Dennoch kann man hier auch einen Gegenstandpunkt annehmen. Immerhin nimmt das moderne Deutschland auch Abstand von anderen ehemaligen kulturellen Einflüssen. Beispielsweise sind im modernen Deutschland viele christlich beeinflusste Traditionen oder Ansichten aufgegeben worden. Der Humanismus in Europa hat unsere Kultur verändert, insbesondere religiöse Einflüsse wurden verringert. Man kann also den Standpunkt einnehmen, dass durch den Humanismus der Islam in Deutschland keinen Platz mehr hat oder sich anpassen muss (was im Übrigen auch auf das Christentum zutrifft, wobei dieses schon stärkere Anpassungsprozesse absolviert hat).

Natürlich ist Deutschland ein Land indem laut Grundgesetz Artikel 4 Religionsfreiheit zugesichert wird. Ebenso erkennen wir in Deutschland die allgemeine Erklärung der Menschenrechte an, wo im Artikel 18 ebenfalls die Religionsfreiheit zugesichert wird. Dementsprechend hat der Islam natürlich einen Platz in Deutschland, so wie jede andere Religion auch. Auch hier kann man einen Gegenstandpunkt annehmen: Deutschland ist säkulär, dementsprechend sollte keine Religion als Bestandteil Deutschlands betrachtet werden.

Ich präferiere die pragmatische Herangehensweise. In Deutschland sind etwa 5% der Bevölkerung muslimisch. Jeder der versucht eine so große Gruppe auszuschließen verkennt komplett die Realitäten.


1 Antwort auf „Gehört der Islam zur deutschen Kultur?“


  1. 1 Dennis Wahl 08. März 2011 um 19:20 Uhr

    Ich finde bei der Diskussion einfach nur lustig wie Politiker Geschichte verstehen. Zählen die letzten 60Jahre denn garnichts oder haben etwa nicht auch vorallem Muslime Deutschland nach dem Krieg wieder zu einer Wirtschaftsmacht durch die Arbeitskraft ihrer Hände gemacht?

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