Verstrahlter Wissenschafts-Artikel bei der Welt online

Bei Welt online wurde ein Artikel zur Transmutation veröffentlicht. Bevor ihr hier meine Entgegnung darauf lest solltet ihr diesen Artikel durchlesen.

Gelesen? Nun, dann fiel euch sicherlich die bestechende Logik in diesem Artikel auf. Überschrieben wurde der Artikel mit dem Versprechen, dass in 20 Jahren der Atommüll unschädlich gemacht wird. Im Artikel lesen wir dann, dass in 20 Jahren eine Technik möglicherweise einsatzbereit sein könnte, mit der man die Strahlungsaktivität des Mülls auf 500 Jahre reduziert.

500 Jahre erfordern aber immer noch eine Endlagerung für viele Generationen. Vor 500 Jahren war Deutschland noch das Heilige Römische Reich. Hätten wir aus dieser Zeit gefährlichen Müll geerbt, dann würden wir das zu Recht wohl als unverantwortlich bezeichnen.

Diese bestechende Logik lässt einen zweifeln, ob Sarrazin mit seiner Verdummungsthese nicht doch recht hat, und die Welt-Redaktion Deutschland in der Beziehung nur ein paar Schritte voraus ist. Tatsächlich macht es aber mehr Sinn, wenn man bedenkt dass die Springer-Presse eher im Sinne der Atomlobby schreibt, also auch bereit ist Probleme der Atomenergie (und damit den Atommüll) künstlich kleinzureden.

Betrachten wir einige Aussagen genauer. Die Überschrift verspricht ‚Atommüll wird in 20 Jahren nicht mehr strahlen‘ und im Anreißer heißt es ‚Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sie Atommüll unschädlich machen wollen‘. Beide Aussagen werden durch den Artikel nicht im geringsten getragen, sind eigentlich schon eine Lüge oder schlimme Irreführung. Weiterhin heißt es im Anreißer ‚Damit rauben sie Kernkraft-Gegnern viele Argumente‘. Um genau zu sein, wird die Problematik des Atommülls verringert, die ‚Laufzeit‘ der Argumente der Atomkraftgegner wird damit auf 500 Jahre reduziert. Lange genug. ‚Was wäre die Anti-Atom-Bewegung ohne Castortransport?‘ wird am Ende des Artikels gefragt. Natürlich würden Endlagerung und damit auch Castor-Transporte weiterhin notwendig bleiben.

Insgesamt kein Artikel mit dem sich die Welt-Redaktion mit Ruhm bekleckert hat.

Natürlich will ich hier nicht die Arbeit der Forschungsgruppe Nuclear Safety Research am KIT schmälern. Falls die Technologie der Aufbereitung von Atommüll zum breiten Einsatz gebracht werden kann, können wir damit unsere bereits bestehenden Altlasten behandeln. Natürlich ist auch für einen Zeitraum von 500 Jahren eine Endlagerung notwendig. Aber für diesen Zeitraum kann man wahrscheinlich eher die geologische Sicherheit eines Endlagerstandorts prognostizieren als für Tausende oder gar Millionen Jahre. Insofern ist diese Forschung wichtig und notwendig. Eine komplette Lösung des Problems ist sie jedoch nicht.

Wem 500 Jahre Endlagerung immer noch zuviel sind: Am 18. September kann man gegen Atomkraft in Berlin auf die Straße gehen.