Netzneutralität in Gefahr

Google und Verizon haben nun das Ergebnis ihrer Verhandlungen zur Netzneutralität veröffentlicht: A joint policy proposal for an open Internet (in Englisch). Erst einmal liest sich das ganz gut. Darin werden strenge Regeln zur Einhaltung der Netzneutralität definiert. Das ist gut. Dann kommen zwei dicke aber. Aber diese Regeln sollen nicht für das mobile Internet gelten. Aber die Netzbetreiber sollen ‚additional, differentiated online services‘ entwickeln können, für die diese Regeln nicht gelten.

Das mobile Internet soll anders sein, weil angeblich die Konkurrenz dort höher wäre. Seltsam dass die EU-Kommission einschreiten musste, um die Roaming-Gebühren zu beschränken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mobiles Internet in Zukunft stark an Bedeutung gewinnt. Gerade diesen Wachstumsbereich von den Netzneutralitätsregelungen auszunehmen ist ein riesiges Manko.

Die zusätzlichen Online-Services wiederum sind eine Salami-Taktik, mit der mehr und mehr die Nutzer vom freien Internet weg hin zu von den Netzbetreibern kontrollierten Diensten gelockt werden. Das Internet würde so Schritt für Schritt in eine Nische verwandelt werden, in der zwar noch die Freiheit und Netzneutralität gewährleistet wäre, welches aber keine Bedeutung mehr für das Leben der Menschen hätte. Stattdessen würden die Premium-Angebote der Netzbetreiber genutzt werden – natürlich hätte jeder ein anderes Angebot. Erinnert sich noch jemand an die Zeit vor dem Durchbruch des Internets? An AOL, Compuserve und BTX? Das wäre langfristig die Zukunft, wenn man solche extra Dienste ohne Netzneutralitäts-Regeln zulassen würde.

Es steht zu hoffen, dass sich Google und Verizon mit diesen Vorstellungen nicht bei der FCC durchsetzen können.

Netzpolitik hat einige Reaktionen eingefangen und stellt auch das Ergebnis einer Debatte zum Thema vor.