Fehlerquote tatsächlich nur 5 aus 5 Millionen?

Ich habe über die Raublöscher von der GVU berichtet und inzwischen hat sich die Lage weiterentwickelt. Die GVU hat mit einer Pressemitteilung reagiert und den Fehler bei der Löschung der Videos eingeräumt.

Diese Pressemitteilung ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Zum einen kam dabei ein wenig mehr über den Hintergrund heraus. So wurden von der Portalseite „Monsterstream“ verlinkte Inhalte mit Takedown-Notizen bedacht. Dabei wurden auch die Folgen des elektronischen Reporters und das Video ‚Du bist Terrorist‘ mit erfasst. Das wirft schon die Frage auf, ob automatisch eine Takedown-Notice herausging, wenn ein Video nur von Monsterstream verlinkt war. Die GVU dürfte ja nur einen Teil der Rechteinhaber vertreten und müsste daher eigentlich immer prüfen, bevor so ein Schreiben verschickt wird. Diese Kontrolle hat scheinbar in den Fällen nicht funktioniert.

Das nächste interessante Punkt ist mit der Überschrift verbunden. ‚5 von 5 Millionen‘ bezieht sich darauf, dass die 5 Videos wiederrechtlich gelöscht wurden, die GVU aber diesen Fakt herunterspielt, indem sie darauf hinweist seit 2008 5 Millionen Löschungsaufforderungen versandt zu haben. Dabei wird natürlich zwischen den Zeilen angedeutet, dass diese 5 Videos die einzigen Fehler waren. Aber irgendwie kann ich das nicht glauben. Wenn scheinbar halbautomatisiert Löschungsaufforderungen verschickt werden, weil ein Link von einer Portalseite mit überwiegend illegalen Kopien darauf verweist, dann ist es sehr fraglich ob dies tatsächlich die einzigen Fälle waren. Mario Sixtus und Alexander Lehmann sind auch keine Unbekannten und sie sind in der Blogosphäre gut vernetzt. Wenn dagegen Heinz Kunz (ohne eigenes Blog und mit 12 Followern auf Twitter) von so einer Löschung seiner eigenen Inhalte betroffen wäre, dann würde es kaum zu einem Aufschrei in der Netzgemeinde kommen – da es wohl kaum jemand mitbekommt. Daher interessiert mich mal, ob es weitere Fälle von fehlerhaften Löschungen gibt, die durch die GVU ausgelöst wurden. Kontrollieren wir ob die Fehlerquote der GVU tatsächlich – wie durch die Pressemitteilung suggeriert – bei 5 aus 5 Millionen liegt.

Abgesehen davon darf auch ein solcher Fehler nicht passieren. Für die Betroffenen sind die Folgen schwerwiegend, immerhin wird dadurch in starkem Maße ihr Urheberrecht verletzt. Beide haben daher eine Unterlassungserklärung von der GVU gefordert. Mario Sixtus hat dieses Vorgehen eloquent begründet: Wenn Sie Hollywoodfilme auf meinem FTP-Server gefunden hätten, und ich ihnen sagen würde, oups, da hat wohl ein von mir beauftragter Dienstleister meine DVDs an den falschen Speicherort geback-upt, würden Sie sich damit auch nicht zufrieden geben.

Nachtrag: Anscheinend ist man sich bei der GVU tatsächlich nicht ganz bewusst, was man sich geleistet hat. Im Interview mit on3 sagt GVU-Sprecherin Ehlers: Es ist für uns ein kleines bisschen überraschend, dass manchmal Leute über Portalseiten auffindbar sind, die wir eher zu den massiv urheberrechtsverletzenden Angeboten zählen. Mit der selben Verwunderung könnte man zur fälschlichen Festnahme von Verwandten eines Verbrechers sagen: ‚Es ist für uns ein kleines bisschen überraschend, dass manchmal Leute in einer Wohnung auffindbar sind, die wir eher zu den massiv von Verbrechern frequentierten Räumlichkeiten zählen.‘ Sippenhaft für Netzangebote? Seid also vorsichtig in wessen Nachbarschaft Eure Inhalte im Netz erscheinen – und wer auf Euch verlinkt. (via Netzpolitik)