Archiv für August 2010

Pro Netzneutralität

Einige Politiker haben eine Initiative Pro Netzneutralität gestartet. Jeder kann die Initiative zeichnen und damit seine Zustimmung zur entsprechenden Erklärung bescheinigen. Erstunterzeichner sind Politiker wie Björn Böhning und Lars Klingbeil (SPD), Malte Spitz, Konstantin von Notz und Jan Philipp Albrecht (Grüne) und Halina Wawzyniak (Linke). Aber auch die an Netzpolitik interessierte Zivilgesellschaft ist mit Namen wie Sascha Lobo, Markus Beckedahl oder Kristian Köhntopp beteiligt.

(Quellen: Netzpolitik und Golem)

Netzneutralität in Gefahr

Google und Verizon haben nun das Ergebnis ihrer Verhandlungen zur Netzneutralität veröffentlicht: A joint policy proposal for an open Internet (in Englisch). Erst einmal liest sich das ganz gut. Darin werden strenge Regeln zur Einhaltung der Netzneutralität definiert. Das ist gut. Dann kommen zwei dicke aber. Aber diese Regeln sollen nicht für das mobile Internet gelten. Aber die Netzbetreiber sollen ‚additional, differentiated online services‘ entwickeln können, für die diese Regeln nicht gelten.

Das mobile Internet soll anders sein, weil angeblich die Konkurrenz dort höher wäre. Seltsam dass die EU-Kommission einschreiten musste, um die Roaming-Gebühren zu beschränken. Es ist sehr wahrscheinlich, dass mobiles Internet in Zukunft stark an Bedeutung gewinnt. Gerade diesen Wachstumsbereich von den Netzneutralitätsregelungen auszunehmen ist ein riesiges Manko.

Die zusätzlichen Online-Services wiederum sind eine Salami-Taktik, mit der mehr und mehr die Nutzer vom freien Internet weg hin zu von den Netzbetreibern kontrollierten Diensten gelockt werden. Das Internet würde so Schritt für Schritt in eine Nische verwandelt werden, in der zwar noch die Freiheit und Netzneutralität gewährleistet wäre, welches aber keine Bedeutung mehr für das Leben der Menschen hätte. Stattdessen würden die Premium-Angebote der Netzbetreiber genutzt werden – natürlich hätte jeder ein anderes Angebot. Erinnert sich noch jemand an die Zeit vor dem Durchbruch des Internets? An AOL, Compuserve und BTX? Das wäre langfristig die Zukunft, wenn man solche extra Dienste ohne Netzneutralitäts-Regeln zulassen würde.

Es steht zu hoffen, dass sich Google und Verizon mit diesen Vorstellungen nicht bei der FCC durchsetzen können.

Netzpolitik hat einige Reaktionen eingefangen und stellt auch das Ergebnis einer Debatte zum Thema vor.

Fehlerquote tatsächlich nur 5 aus 5 Millionen?

Ich habe über die Raublöscher von der GVU berichtet und inzwischen hat sich die Lage weiterentwickelt. Die GVU hat mit einer Pressemitteilung reagiert und den Fehler bei der Löschung der Videos eingeräumt.

Diese Pressemitteilung ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Zum einen kam dabei ein wenig mehr über den Hintergrund heraus. So wurden von der Portalseite „Monsterstream“ verlinkte Inhalte mit Takedown-Notizen bedacht. Dabei wurden auch die Folgen des elektronischen Reporters und das Video ‚Du bist Terrorist‘ mit erfasst. Das wirft schon die Frage auf, ob automatisch eine Takedown-Notice herausging, wenn ein Video nur von Monsterstream verlinkt war. Die GVU dürfte ja nur einen Teil der Rechteinhaber vertreten und müsste daher eigentlich immer prüfen, bevor so ein Schreiben verschickt wird. Diese Kontrolle hat scheinbar in den Fällen nicht funktioniert.

Das nächste interessante Punkt ist mit der Überschrift verbunden. ‚5 von 5 Millionen‘ bezieht sich darauf, dass die 5 Videos wiederrechtlich gelöscht wurden, die GVU aber diesen Fakt herunterspielt, indem sie darauf hinweist seit 2008 5 Millionen Löschungsaufforderungen versandt zu haben. Dabei wird natürlich zwischen den Zeilen angedeutet, dass diese 5 Videos die einzigen Fehler waren. Aber irgendwie kann ich das nicht glauben. Wenn scheinbar halbautomatisiert Löschungsaufforderungen verschickt werden, weil ein Link von einer Portalseite mit überwiegend illegalen Kopien darauf verweist, dann ist es sehr fraglich ob dies tatsächlich die einzigen Fälle waren. Mario Sixtus und Alexander Lehmann sind auch keine Unbekannten und sie sind in der Blogosphäre gut vernetzt. Wenn dagegen Heinz Kunz (ohne eigenes Blog und mit 12 Followern auf Twitter) von so einer Löschung seiner eigenen Inhalte betroffen wäre, dann würde es kaum zu einem Aufschrei in der Netzgemeinde kommen – da es wohl kaum jemand mitbekommt. Daher interessiert mich mal, ob es weitere Fälle von fehlerhaften Löschungen gibt, die durch die GVU ausgelöst wurden. Kontrollieren wir ob die Fehlerquote der GVU tatsächlich – wie durch die Pressemitteilung suggeriert – bei 5 aus 5 Millionen liegt.

Abgesehen davon darf auch ein solcher Fehler nicht passieren. Für die Betroffenen sind die Folgen schwerwiegend, immerhin wird dadurch in starkem Maße ihr Urheberrecht verletzt. Beide haben daher eine Unterlassungserklärung von der GVU gefordert. Mario Sixtus hat dieses Vorgehen eloquent begründet: Wenn Sie Hollywoodfilme auf meinem FTP-Server gefunden hätten, und ich ihnen sagen würde, oups, da hat wohl ein von mir beauftragter Dienstleister meine DVDs an den falschen Speicherort geback-upt, würden Sie sich damit auch nicht zufrieden geben.

Nachtrag: Anscheinend ist man sich bei der GVU tatsächlich nicht ganz bewusst, was man sich geleistet hat. Im Interview mit on3 sagt GVU-Sprecherin Ehlers: Es ist für uns ein kleines bisschen überraschend, dass manchmal Leute über Portalseiten auffindbar sind, die wir eher zu den massiv urheberrechtsverletzenden Angeboten zählen. Mit der selben Verwunderung könnte man zur fälschlichen Festnahme von Verwandten eines Verbrechers sagen: ‚Es ist für uns ein kleines bisschen überraschend, dass manchmal Leute in einer Wohnung auffindbar sind, die wir eher zu den massiv von Verbrechern frequentierten Räumlichkeiten zählen.‘ Sippenhaft für Netzangebote? Seid also vorsichtig in wessen Nachbarschaft Eure Inhalte im Netz erscheinen – und wer auf Euch verlinkt. (via Netzpolitik)

Raublöscher bei der GVU

Die GVU (Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen) nimmt seine Aufgabe ernst und lässt von der Videoplattform Vimeo Videos löschen. Dies berichtet Netzpolitik gleich zweimal. Dumm nur, dass die Videos ‚Du bist Terrorist‘ von Alexander Lehmann und die vier betroffenen Folgen des elektrischen Reporters von Mario Sixtus unter einer Creative Commons Lizenz stehen und ganz legal auf Vimeo veröffentlicht waren.

Interessanterweise ist die GVU auf der Jagd nach Raubkopierern dabei selbst zum Raublöscher geworden. Immerhin wurden die Urheber bestohlen (um ihr Veröffentlichungsrecht) und dies unter Androhung von juristischen Konsequenzen. Die GVU muss sich dabei fälschlicherweise als im Besitz der Urheberrechte ausgegeben haben, anders können sie wohl die Löschung nicht angeordnet haben. Dieses widerrechtliche Verhalten könnte durchaus juristische Folgen für die GVU haben.

Zukunft im Weltraum?

Der bekannte Physiker Stephen Hawking hat in einem Interview (in Englisch) vorgeschlagen, die Menschen sollten sich im Weltraum ausbreiten, um die Gefahr der Vernichtung der Menschheit zu minimieren. Dieser Vorschlag mag natürlich weltfremd und fern jeglicher erlebter Realität vorkommen – und ist es irgendwie auch. Tatsächlich plagen uns weitaus naheliegendere Probleme, wie Arbeitslosigkeit, Armut, Klimawandel oder ähnliches.

Dennoch sollte man diese Idee nicht einfach so vom Tisch wischen. Realistisch betrachtet ist die Besiedlung des Weltraums kein Projekt für die nächsten 10 Jahre. Wenden wir uns aber zu stark von der Raumfahrt ab, dann stagniert die Technologie – und auch in 10 Jahren sind wir von der Besiedlung des Weltraums genauso weit entfernt wie heute. Und auch dann wird es naheliegendere Probleme geben, um der Raumfahrt niedrige Priorität zu geben. Die Gefahr liegt darin, dass der Fortschritt in der Raumfahrttechnologie so lange hinten angestellt wird, bis wir uns einem realen Problem gegenübersehen, welches die Erde bedroht. Wir sollten Hawkings Aussagen daher als Ansporn verstehen, trotz aller tagesaktuellen Probleme auch in Zukunft die Raumfahrt zu fördern.

Und ich denke das ist sinnvoll. Durch schrittweise Fortentwicklung der Technologie könnten wir irgendwann den Punkt erreichen, wo eine Besiedlung des Weltraums kein unrealistischer Traum mehr ist. Tatsächlich ist die Zeit günstig. In den letzten Jahren wieder mehr Bewegung in der Raumfahrt. Und nicht nur die Staaten beschäftigen sich damit, inzwischen ist dies auch ein Thema für private Initiativen. Durch den Ansari X-Prize wurde die private Raumfahrttechnologie erheblich vorangebracht. Derzeit läuft mit dem Lunar X-Prize der nächste Wettbewerb, der hier Fortschritte erbringen soll. All dies stimmt positiv für die Entwicklung der Raumfahrt. Nehmen wir also Hawkings Vorschlag als Ansporn, diese Bemühungen fortzuführen. Ich denke auch die Politik (auch die europäische) sollte sich in dem Bereich stärker engagieren.

Einige könnten meinen, dass die langfristige Vision den Weltraum zu besiedeln zu schlechterem Umgang mit unserem Planeten führen könnte – nach dem Motto: ist die Erde kaputt, siedeln wir um zur nächsten Welt. Ich glaube diese Gefahr besteht kaum. Immerhin kippen wir auch keinen Giftmüll in unser Grundwasser (zumindest versuchen wir es zu vermeiden), nur weil wir alle ja nach Kanada umsiedeln könnten.

(via Golem)