Kurze Eindrücke vom 26C3

Da der 26C3 nun beendet ist, sollte ich vielleicht ein paar kurze Eindrücke dazu schreiben.

Erstmal: Was ist der 26C3? Das Kürzel steht für den 26. Chaos Communication Congress. Dieser Kongress wird vom Chaos Computer Club jedes Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr (27.12. – 30.12.) veranstaltet. Eigentlich ist es ein Hackerkongress, es geht also um Themen der Computersicherheit und des Programmierens. Aber das thematische Spektrum reicht auch weit in angrenzende gesellschaftliche und wissenschaftliche Bereiche. In den letzten Jahren drang auch zunehmend die Politik in die Sphären der Hacker ein, also hat sich der Kongress auch dieser Themen angenommen.

Daher gab es einige politische Vorträge. Hauptsächlich drehten sich diese um die die üblichen Verdächtigen Internetsperren, Vorratsdatenspeicherung und Hackerparagraph, aber auch einige andere Themen wurden angeschnitten. Ich erwähne nur einige, im Programm gibt es einiges, was ich nicht gesehen habe oder was ich hier als Empfehlung auslasse.

Gleich am ersten Tag folgte ich einem wunderbaren Vortrag von Bastian Dietz zum Thema Computer.Spiele.Politik. – Die Computerspieldebatte und wie man darin überlebt. Es ging weniger um neue wissenschaftliche Erkenntnisse, als vielmehr um die Debatte an sich und welche Polemisierungen es dort gibt. Sehr sehenswert (Vortragsbeschreibung mit Links zu den Folien und Mitschnitt (mp4)).

Jérémie Zimmermann von La Quadrature du Net klärte anschließend über Netzneutralität auf. Der Vortrag hieß Why Net Neutrality Matters?. Nichts wesentliches Neues hier, aber ein flammender Appell an alle Teilnehmenden sich doch für Netzneutralität zu engagieren.

Auf den ersten Blick nicht sehr politisch ist Cybernetic Cannibalism – Why is Brazil the country of the future? (Mitschnitt) von Helena Klang und Cristiano Marinho. Darin referierten sie über die Remix-Kultur in Brasilien und ihre kunsthistorischen Wurzeln. Es wurde das Bild des kulturellen Kannibalismus aufgegriffen, welches der brasilianische Poet Oswald de Andrade (1890 – 1954) schuf: fremde Kulturen werden von Brasilien aufgenommen und ihre besten Teile verinnerlicht um etwas neues zu schaffen. Dies wurde am Beispiel der Musikrichtung Carioca Funk ausgeführt, die stark auf Remixen basiert. Dadurch gibt es aber auch ein Spannungsfeld mit den Urheberrechten und dies führt dann auch zur Politik, denn die Remixkultur und urheberrechtliche Einschränkungen durch beispielsweise Three-Strikes oder ACTA sind sehr aktuelle politische Themen.

Im Übrigen ist diese Remixkultur auch hier in Deutschland nicht ganz ohne historische Vorbilder. Man sollte mal darüber nachdenken, was die Brüder Grimm eigentlich getan haben. Sie kopierten Volksmärchen, überarbeiteten diese und veröffentlichten das Ergebnis. Heutzutage wäre so etwas ein urheberrechtliches Minenfeld. Und auch heute dienen diese Märchen als Wurzel für neues Kulturschaffen. Unzählige Filme und so mancher moderne Roman basieren auf den Grimmschen Märchen.

Playing with the Built City (Mitschnitt) von Eleanor Saitta bot eine Anleitung, wie man Städte menschlicher gestalten kann. Sie zeigte auch auf, welche Mechanismen am Wirken sind, die im Endeffekt zu unfreundlicheren Städten führen und wie man dem begegnen kann.

Bre Pettis ist der Vorkämpfer für die Verbreitung von verteilter Herstellung von Dingen (sein Motto ist ‚I make things.‘), auf den ersten Blick ebenfalls kein politisches Thema. Er berichtete in seinem Vortrag Peanut Butter and Plastic: Industrial Revolution – Decentralized Manufacturing and Desktop Fabrication (Mitschnitt) über neue Entwicklungen bei Maschinen zur häuslichen Herstellung von Dingen. Er hatte bereits letztes Jahr darüber berichtet und der diesjährige Vortrag widmete sich daher nur den Neuigkeiten. Zudem berichtete er über die Community um die häusliche Fabrikation, den freien Austausch von Erfahrungen, Modellen für neue Dinge usw. Hier liegt auch das politische Potential. Man stelle sich nur vor, wenn alle ihre Wäscheklammer, Gabeln oder Kleiderhaken nicht mehr im Laden kaufen, sondern sich ein Design frei aus dem Internet herunterladen, dieses möglicherweise verbessern und dann selbst den Gegenstand produzieren. Bre schwebt eine ähnliche Revolution wie bei Open-Source vor. An dieser Stelle dann noch kurz der Hinweis auf Thingiverse, eine Plattform zum freien Austausch von Dingen.

Selbst nicht gesehen habe ich den Vortrag http://events.ccc.de/congress/2009/Fahrplan/events/3622.en.html (Mitschnitt). Dieses Ereignis erhielt aber allgemeines Lob, weshalb ich ihn erwähne und ihn wohl nachholen werde. Im Gegensatz dazu wurde der Vortrag über Liquid Democracy schwer kritisiert, beispielsweise hier. Schade, dieser Vortrag scheint den Erwartungen (auch meinen) nicht gerecht geworden zu sein.

Es wurde auch eine Debatte zur Relevanzdiskussion in der Wikipedia geführt. Diese hat jetzt nichts wesentlich Neues erbracht. Allerdings sei der Hinweis angebracht, dass jeder der Veränderungen möchte, sich auch selbst aktiv einbringen sollte.


2 Antworten auf „Kurze Eindrücke vom 26C3“


  1. 1 26c3: Computer.Spiele.Politik. — netzmedien.org Pingback am 20. Juni 2010 um 0:43 Uhr
  2. 2 26c3: Computer.Spiele.Politik | Bastian DietzBastian Dietz Pingback am 01. Juli 2012 um 17:02 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.