Rückkehr der Kopisten?

Im Mittelalter wurden Bücher verbreitet, indem – üblicherweise in Klostern von Mönchen – diese Bücher in mühevoller Handarbeit abgeschrieben wurden. Dieser krisensichere Arbeitsplatz für Hochqualifizierte nennt sich Kopist. Mit dem Aufkommen des Buchdrucks wurden die Kopisten überflüssig.

Wissen steht dank dem Buchdruck und neuerdings modernen Kommunikationsmitteln wie dem Internet in großer Menge, schnell und ohne große Barrieren zur Verfügung. Aber die Verlage – deren gesellschaftliche Aufgabe es ja auch ist, Wissen den Menschen zugänglich zu machen – haben Angst um ihre Gewinne. Daher werden zunehmend Einschränkungen üblich.

So an der Technischen Universität Darmstadt. Dort dürfen die Studenten in der Universitätsbibliothek auf digitalisierte Bücher zugreifen. Allerdings ist dieser Zugriff auf spezielle Terminals der Bibliothek beschränkt. Es durften davon auch nur einzelne Seiten gedruckt werden. Ganz im Gegensatz zu den gedruckten Büchern, die oft in größeren Teilen abkopiert werden, wenn Studenten den Inhalt für ihr Studium benötigen.

Aber selbst dieser eingeschränkte Zugriff auf ihre Werke war einem Verlag zuviel. Er klagte und bekam vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main Recht. Nun dürfen keine Ausdrucke der digitalen Werke mehr erstellt werden. Sollen die Studenten also in Zukunft von den Terminals abschreiben? Dies ist sicherlich der allgemeinen Studiendauer sehr förderlich.

Dies ist natürlich ein immenser Rückschritt für die Akkumulation von Wissen. Umso mehr wird es erforderlich Open-Access-Publikationen zu fördern. Hierbei geht es darum, dass wissenschaftliche Arbeiten auch kostenlos zugänglich gemacht werden sollen. Werke unter Open-Access könnten damit in Zukunft eine Alternative für die durch solche Restriktionen immer unzugänglicheren Schriften darstellen.

Letztens habe ich auf eine E-Petition zur Förderung von Open-Access hingewiesen. Aus dem aktuellen Anlass erneuere ich daher meinen Aufruf diese mitzuzeichnen. Die Petition steht bei derzeit 18.000 Mitzeichnern und läuft noch bis zum 22. Dezember.

(via Gulli, Golem und Heise)