Bitte geht wählen

Vielerorts liest man derzeit davon, dass Wählen nichts bringen würde und man daher der Wahl fernbleibt. Teilweise wird sogar zum Wahlboykott aufgerufen. Da wird gern zitiert: ‚Wenn Wahlen etwas ändern würden, dann wären sie verboten‘. Ich halte dies nicht für sinnvoll und will darlegen wieso.

Wer nicht wählt stärkt die NPD

Bevor ich aber erkläre, wieso Wählen wichtig ist, will ich mal kurz darauf eingehen wieso es Schwachsinn ist zu behaupten, Nichtwählen würde extreme Parteien stärken. Das impliziert die Theorie, dass extreme Parteien jedes Mal ihr volles Wählerpotential ausschöpfen können. Dagegen sprechen allerdings die starken Schwankungen bei der absoluten Zahl der Wähler, die Parteien wie die NPD bei verschiedenen Wahlen aufweisen. Das spricht nicht gerade dafür, dass die extremen Parteien besser als die etablierten in der Lage sind ihre Wähler zu aktivieren.

Eher sieht es so aus, als stärke der Nichtwähler alle Parteien ihrem Wahlergebnis entsprechend. Also die großen Parteien besonders stark. Und das ist doch wohl schlimm genug, denn wer will das wirklich. ;-)

andere politische Aktionen sind schneller und erfolgversprechender

Ohne Frage erreicht man mit Streiks, Demonstrationen, Flugblättern, Flashmobs und Kunstaktionen in kurzer Zeit mehr als mit einem Kreuz alle 4 Jahre. Aber niemand hat gesagt, man müsse mit Abgabe seiner Stimme auf andere Aktionen verzichten. Ergänzend zu sonstigen Aktionen kann man aber auch die Wählerstimme einsetzen, um etwas zu ändern.

Wahlen ändern nichts

Ich weiß, es erscheint ermüdend. Man wählt die Alternative und am Wahlabend kommt doch das Falsche heraus. Wahlen ändern nichts von heute auf morgen. Nicht einmal über Jahre hinweg. Aber langsam aber sicher schon. Es ist wie ein anfahrender Zug. Zuerst ist es langsam und träge. Aber irgndwann lässt sich das in Gang gesetzte Momentum auch nicht mehr so leicht stoppen (das ist der Punkt an dem andere verzweifeln und glauben nichts ändern zu können).

Für mich war die Einführung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften der Augenöffner. Ich hätte nie geglaubt, dass dies in Deutschland möglich wäre. In Deutschland! Doch nach einer langen traurigen und depressiv-grauen Kohl-Ära gab es einen Regierungswechsel. Und tatsächlich wurde etwas geändert. Nicht übermäßig viel auf einmal, aber ein wenig schon. Man könnte sagen, das Lebenspartnerschaftsgesetz ist keine Gleichstellung zur Ehe, und das stimmt. Da ist noch etwas zu tun. Aber es ist schon ein gewaltiger Fortschritt. Und es lässt sich jetzt nicht mehr so leicht rückgängig machen. Dass gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften nun gesetzlich zumindestens eine gewisse Anerkennung erfahren ist für mich seitdem der Beweis (und damit Ansporn), dass Änderungen möglich sind. Selbst im konservativen Deutschland. Aber es dauert lange, braucht viel Geduld und Beharrlichkeit etwas zu ändern. Denn wie lange wurde dafür gekämpft? Verzichtet man jedoch auf seine Wählerstimme, dann verzichtet man darauf solche Änderungen parlamentarisch langfristig anzukurbeln.

niemand auf dem Wahlzettel vertritt meine Vorstellungen

Das es eine perfekte Vertretung auf dem Wahlzettel gibt ist unwahrscheinlich, dann müsste es 82 Millionen Parteien geben, die alle eine Stimme erhalten. Eine gewisse Kompromissbereitschaft sollte man also schon zeigen. Dennoch wird diese Kompromissbereitschaft mit dem vorhandenen Angebot oft überstrapaziert. Doch dafür gibt es eine Lösung: Man finde sich mit Gleichgesinnten zusammen und gründe eine bessere Partei. Die noch erträgliche Kompromisse eingeht. Reicht es nicht für eine Partei, so kann man immer noch als unabhängiger Direktkandidat antreten. Wer vertritt meine Vorstellungen besser als ich. Ich wünsche mir viel mehr Angebot auf dem Wahlzettel.

Natürlich ist parlamentarisch-politischer Aktivismus schwer. Man wird sich darauf einstellen müssen lang zu arbeiten. Die oben angesprochene Geduld und Beharrlichkeit ist hier umso mehr vonnöten. Aber für die Durchsetzung wichtiger Ziele sollte man bereit sein diese Geduld zu zeigen.

Fazit

Parlamentarische Demokratie und Wahlen mögen nur langsam etwas ändern, aber der Verzicht sich daran zu beteiligen ändert noch weniger. Nimm die langsame Änderungen durch Wahlen zum Anlass, auch abseits der Wahlen politisch aktiv zu sein. Aber verzichte nicht auf das demokratische Recht.


5 Antworten auf „Bitte geht wählen“


  1. 1 Thilo Pfennig 26. September 2009 um 14:09 Uhr

    Warum fordern eigentlich die Unterstützerinnen von Wahlen meist nie auch das Engagment ausserhalb? Das wäre eigentlich viel wichtiger. Ich kenne deutlich mehr Leute, die wählen gehen, als die, die sich politisch aktiv engagieren. Du erwähnst das da zwar – aber offenbar gibt es niemals Anlaß dafür zu werben. Immer stehen die Wahlen im Mittelpunkt. Und sich sage das ist exakt der punkt. warum sich so wenig ändert.

  2. 2 mnementh 27. September 2009 um 1:03 Uhr

    Morgen sind Wahlen. Dann erstmal eine Weile nicht. Daher macht es Sinn für mich, heute für die Wahl zu werben. Aber ich verspreche hier mal (mein Wahlversprechen sozusagen), dass ich in diesem Blog in der nächsten Zeit eine Werbung für politischen Aktivismus mache. Außerdem gibt es auch in dem Bereich vieles, was vom Zeitpunkt abhängt. Wenn (aus meiner Sicht) interessante Demonstrationen stattfinden, dann werde ich zu deren Teilnahme aufrufen beispielsweise. Aber ich werde mal auch ganz konkret dazu aufrufen, eigenes politisches Engagement zu zeigen, wenn die Nachwehen der Wahl abgeklungen sind. versprochen. :-)

  1. 1 (Was) wählen? – Teil III « Theorie als Praxis Pingback am 26. September 2009 um 23:17 Uhr
  2. 2 Nichtwähler haben Union unterstützt « Mnementh Pingback am 02. Oktober 2009 um 13:24 Uhr
  3. 3 Bitte seid politisch aktiv! « Mnementh Pingback am 27. Oktober 2009 um 10:59 Uhr
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